Kurzmeldungen aus den Projekten der Indienhilfe
(Februar 2010)
175 Millionen Kinder in Indien leiden trotz Wirtschaftswachstum
noch immer an Unterernährung und ihren lebenslangen Folgen. Mit finanzieller Unterstützung
der Indienhilfe haben die beiden Studenten Silvia Mangatter und Nico Golembiewski
gemeinsam mit der Kinderärztin Monika Golembiewski ein modellhaftes
Ernährungsprogramm entwickelt, um den Ernährungszustand von 120 unterernährten
Kindern in 4 Adivasi-Dörfern im Birbhum-Distrikt, im Projektgebiet unseres
Partners SEVA-Manab Jamin, zu verbessern. Täglich bekommen die Kinder eine
nahrhafte Mahlzeit und die Mitarbeiter kontrollieren regelmäßig ihr Gewicht und
ihr Wachstum. Gleichzeitig lernen die Mütter in Workshops und Trainings, wie
sie mit günstigen regional verfügbaren Lebensmitteln eine nahrhafte und gesunde
Mahlzeit für ihre Kinder zubereiten können. Seit 2 Jahren unterstützt die
Indienhilfe das Modell-Projekt mit ca. 140 Euro/Mon. Im November 2009 wurde das
Projekt im Rahmen der Weltdekade "Bildung für nachhaltige
Entwicklung" als UN-Dekade-Projekt 2010/11 ausgezeichnet. Wir gratulieren und freuen uns über Spenden
unter dem Stichwort „Notfallfonds“.
Gesetze gegen Kinderarbeit und zur Schulpflicht gibt es in
Indien einige, doch oft werden sie nicht eingehalten. Um die politischen und
gesellschaftlichen Vertreter für die Rechte der Kinder und die Situation von
Kinderarbeitern zu sensibilisieren, organisiert das Netzwerk
„Indienhilfe-Partner gegen Kinderarbeit“ spezielle Schulungen für lokale
Entscheidungsträger in allen Projekt-Distrikten. Ein Anwalt des Obersten
Gerichtshofs in Kalkutta, der ehrenamtlich in einem Menschenrechtsnetzwerk
engagiert ist, informiert die Teilnehmer über die indische Gesetzgebung und
zeigt ihnen konkrete Schritte zu deren Umsetzung und Einhaltung in der
täglichen Arbeit auf. 2.685
Euro haben wir für die 7 Schulungen bewilligt. Spenden-Stichwort „IH-NACL“
Tief beeindruckt waren der externe
Indienhilfe-Berater Fr. Jacob Peenikaparambil und die Sozialarbeiterin Sr. Mahima
von den Erfolgen der Frauen-Selbsthilfegruppen (SHGs) im Integrierten
Entwicklungsprojekt West Midnapur, die sie im Oktober 2009 evaluiert haben.
Durch die monatlichen Sparraten von 10 bis 60 Rs (0,16 – 1 Euro) konnten die
Frauen der 311 SHGs ein für sie beträchtliches Vermögen ansammeln, aus dem sie
sich gegenseitig Kredite für einkommenschaffende Maßnahmen (z.B. Ziegen- und
Schweinezucht, Herstellung von Seilen, Blatt-Tellern, Bambuskorbwaren,
landwirtschaftliche Aktivitäten) oder für Arztkosten gewähren konnten. Daneben
sind die Frauen wichtige Multiplikatorinnen für die Entwicklung in ihren
Dörfern. Durch Aufklärungskampagnen konnten sie den Alkoholkonsum der Männer
reduzieren und sie setzten sich für den Bau und die Reparatur von Latrinen,
Brunnen und Straßen in ihren Dörfern ein. Ihre Kinder besuchen die staatlichen
Schulen und nehmen am Nachhilfeunterricht der Projektmitarbeiter teil. Bei
Missständen in den staatlichen Schulen ergreifen die Frauen Initiative, um
beispielsweise einen neuen Lehrer zu bekommen. Die anfangs skeptischen Männer
sind inzwischen ebenfalls stolz auf die Erfolge ihrer Frauen und unterstützen
sie. Unterstützen
Sie die Arbeit der Frauen unter dem Stichwort „SHG“!
Der Zyklon Aila, der im Mai 2009 über Westbengalen hinwegfegte,
zeigte, wie hilflos die Menschen in unseren Projektgebieten Naturkatastrophen
ausgesetzt sind, die sich in Folge des Klimawandels häufen. Um mit den
besonders armen und bedürftigen Menschen in unseren Projektgebieten
Perspektiven zu entwickeln, wie sie ihre Lebensgrundlage unter den sich durch
den Klimawandel verändernden Umweltbedingungen sichern können, planen wir ein
neues Projekt, das neben Anpassungsstrategien für besonders gefährdete Dörfer
auch die Bewusstseinsbildung für einen ökologischen und sozial gerechten
Lebensstil bei der indischen Mittelschicht beinhalten soll. Um dieses Sonderprojekt
zu finanzieren, sind wir auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Spenden Sie Ihre CO2-Ausgleichszahlung für
eine Flugreise an die Indienhilfe unter
demStichwort „Klima“ und wir
verwenden das Geld für Klimaschutz-Aktivitäten und Anpassungsmaßnahmen!
Schlagzeilen machte Mitte Dezember die seit 2004 von uns unterstützte
Slum-Modellschule Shikshamitra: eine 14-jährige Schülerin floh vor der von
ihren Eltern arrangierten Heirat ins Frauenhaus und verweigert sich der
Rückkehr zu ihrer Familie. Für viele Slum-Bewohner, für die die Verheiratung
Minderjähriger alltäglich ist, war klar: Shikshamitra hatte das Mädchen gegen
seine Familie aufgehetzt. Aufgrund der angedrohten Racheaktionen stand die
Schule zeitweise unter Polizeischutz, doch dank der Vermittlungsgespräche der
Lehrkräfte entspannte sich die Situation inzwischen und der Unterricht findet
wieder regulär statt. Die Lehrkräfte griffen den Fall auf, um mit den Schülern
über die Rolle von Medien und die Form der Berichterstattung zu diskutieren und
sie für unterschiedliche Standpunkte zu sensibilisieren. Momentan findet eine
interne Auswertung der Erfolge und Probleme der Schule in den letzten 6 Jahren
statt, um das künftige Konzept an die Erfahrungen anzupassen. Auch in diesem
Jahr finanzieren wir Shikshamitra. Spenden-Stichwort
„Shikshamitra“!
Von Geburt an litt die 2½-jährige Sarhina aus
dem Projektgebiet unseres Partners Bikash an der “Hirschsprung‘schen
Krankheit“, die zu schwerer Verstopfung bis hin zu Darmverschluss führt. Im
Alter von 14 Monaten war ihr ein künstlicher Darmausgang gelegt worden, der
sich aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen in dem armen Dorf
mehrfach entzündete. Über den Notfallfonds finanzierte die Indienhilfe im
Herbst die lebensnotwendige Operation zur Entfernung des defekten Darmteiles.
Seit November ist das operierte Mädchen zurück in seinem Dorf und kann nun
endlich ein normales Leben führen. Wir danken allen Spendern und Unterstützern
des Benefizkonzerts der Kinderchöre aus Herrsching und Ravina-Romagnano, dessen
Erlös für die Operation verwendet wurde. Wenn Sie bei Einzelschicksalen wie
diesem helfen wollen, spenden Sie unter dem Stichwort „Notfallfonds“.
Seit ihrer Gründung engagiert sich die Indienhilfe
im Rahmen der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit, um ein Bewusstsein und
Verständnis für die Auswirkungen der Globalisierung auf die lokale Bevölkerung
zu schaffen und die Einhaltung sozialer und ökologischer ethischer Normen in
der Wirtschaft (z.B. Verbot von Kinderarbeit) zu fördern. Für das umfangreiche
Eine-Welt-Medienzentrum und die Vermittlung und Begleitung von Schul- und Städtepartnerschaften
zwischen Bayern und Westbengalen/Indien ist die Indienhilfe bayernweit als
Vorreiter anerkannt. Seit Dezember 2009 ist die Indienhilfe offiziell vom Eine
Welt Netzwerk Bayern e.V., dem Dachverband der bayerischen NGOs, als eine der ersten 10
Eine-Welt-Stationen in Bayern anerkannt, deren Ziel es ist, Lehrkräften und
Multiplikatoren Materialien und Anregungen rund ums Globale Lernen anzubieten. Spenden bitte auf
Konto „Bildungsarbeit in Deutschland“, von dem Aktivitäten im Rahmen der
Bildungsarbeit (Informations- und Bildungsveranstaltungen,
Eine-Welt-Medienzentrum, Ausstellungen, Vorträge, Beteiligung an Kampagnen,
lokale Agenda 21) finanziert werden.
Fragen Sie sich auch manchmal, ob Indien noch
Entwicklungshilfe braucht oder ihre Spenden anderswo nötiger wären? Bei unseren
stets selbst finanzierten Projektreisen erleben wir immer wieder, unter welch
menschenunwürdigen Bedingungen viele Menschen in Indien leben müssen – ein
Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US $, ein
weiteres Drittel von weniger als 2 US $ pro Tag, die Hälfte aller Kinder ist
unterernährt. Gleichzeitig sehen wir, wie die Menschen dank unserer Projekte
ihre Situation verbessern und Zukunftsperspektiven aufbauen können. Weitere
Argumente, warum die Menschen in Indien weiterhin auf unsere Unterstützung und
Solidarität angewiesen sind, können Sie auf unserer Homepage nachlesen:
http://www.indienhilfe-herrsching.de/pdf/StreitgespraechWarumnochIndien.pdf
Spendenkonten
der Indienhilfe: