Kurzmeldungen aus den Projekten der Indienhilfe
(Januar 2009)
Zahlreiche
Programme der indischen Regierung sollen das Recht auf Bildung für alle Kinder
in Indien gewährleisten, doch oft existieren die Einrichtungen nur auf dem
Papier. So auch das staatliche ICDS[1]-Zentrum
im Dorf Junbolda im Projektgebiet des Integrated Development Project Midnapur.
Dort sollten schwangere Frauen und Mütter betreut und Vorschulunterricht mit
integrierter Gesundheitsarbeit (Schwerpunkt Ernährung) für Kinder bis 6 Jahre
angeboten werden. Doch da die staatlichen Erzieherinnen meist abwesend waren,
kamen die Kinder vergeblich ins Zentrum und mussten ohne das ihnen zustehende
Mittagessen wieder nach Hause gehen. Unter Anleitung der IDP-Mitarbeiter hatten
die Dorfbewohner eine Aktionsgruppe zur Dorfentwicklung gegründet, die sich bei
den staatlichen Stellen für die Abschaffung dieses Missstands einsetzte. Heute
findet der Unterricht regelmäßig statt und die Kinder erhalten eine nahrhafte
Mahlzeit. Das IDP-Team hat 35 Dorfentwicklungsgruppen gebildet, die u.a. die
korrekte Umsetzung der staatlichen Entwicklungsprogramme einfordern. Das Budget für das Projekt liegt bei 53.000
Euro. Wir bitten um Spenden mit dem Stichwort „IDP Midnapur“!
Im Juni 2008 erfuhr
unser Partner EVS durch unsere Kollegen im Indienhilfe-Büro in Kalkutta von
einem Regierungsprogramm, das Mädchen aus Unberührbaren- und Stammesfamilien
beim Besuch weiterführender Schulen unterstützt. Daraufhin besuchten die
engagierten Lehrer der von EVS betriebenen Nachhilfezentren 16 Oberschulen im
Projektgebiet und informierten die Schulleiter über die Möglichkeiten
staatlicher Unterstützung. Es stellte sich heraus, dass 329 Mädchen bezugsberechtigt
sind, aber weder die Schulleitung noch die Familien von dem Programm wussten.
Dankbar für die Information durch das EVS-Team versprachen die Schulleiter,
persönlich dafür zu sorgen, dass die Mädchen die ihnen zustehende Unterstützung
bekommen. Die EVS-Mitarbeiter werden die Fälle weiterverfolgen. Wir unterstützen die Arbeit von EVS mit
14.000 Euro. Spenden Sie bitte unter dem Stichwort „EVS“
Das
Ergebnis ihrer Umfrage zur Wasserversorgung im Dorf Paruldanga entsetzte die
11- bis 14-jährigen Schüler des Ökoclubs: 60 Familien teilen sich einen
Brunnen. Fällt einer der Brunnen im Dorf aus, sind noch mehr Menschen auf eine
einzige Wasserquelle angewiesen. Um Abhilfe zu schaffen, beantragten die
Schüler mit Unterstützung der Manab-Jamin-Mitarbeiter einen neuen Brunnen bei
der örtlichen Gemeindeverwaltung (Gram Panchayat). Innerhalb eines Monats war
der neue Brunnen mit staatlichen Geldern fertiggestellt und die Dorfbewohner
freuten sich über die verbesserte Wasserversorgung. Die Indienhilfe fördert in
allen Projekten Ökoclubs, in denen sich Schüler praxisbezogen mit Umweltthemen
beschäftigen. Mit jährlich 8.000 Euro
unterstützen wir die Ökoclubs. Spenden-Stichwort „ENRE“
Bei seinem Projektbesuch in Orissa sprach Vorstand Udo Kirkamp mit den Bewohnern eines Slums in Rayagada: „Es blieb kaum mehr Zeit, das Allernötigste zusammenzupacken. Die anrauschenden Wassermassen erschütterten den Boden und wenige Minuten später war das Dorf samt der zugehörigen landwirtschaftlichen Nutzflächen weg.“ Die Gewalt des Wassers aus dem geöffneten Staudamm hatte den ursprünglichen Flusslauf geändert. Die Menschen konnten sich notdürftige Unterkünfte am zerklüfteten Rand der Stadt Rayagada errichten, doch weitere Zukunftsperspektiven waren für die entwurzelten Menschen nicht in Sicht. – Das war vor 2 Jahren. Doch die Bewohner baten damals unseren Partner SHED um Hilfe. Qualifizierte Mitarbeiter halfen den verunsicherten Menschen, sich neu zu organisieren, die Kernprobleme zu definieren, Pläne zu entwickeln und staatliche Hilfsprogramme in Anspruch zu nehmen. Die Kinder wurden in den staatlichen Schulen angemeldet, für die Jüngsten eine Vorschule errichtet. Noch immer leben die Familien von den spärlichen und unsicheren Einnahmen als Tagelöhner. Erst langsam gelingt es, längerfristige Einkommensmöglichkeiten in der Stadt zu erschließen. Aufgrund ungeklärter Landverhältnisse droht ihnen die erneute Vertreibung. Auch hier helfen die SHED-Mitarbeiter bei den Formalitäten zur offiziellen Registrierung der Grundstücke. Obwohl die Bearbeitung langsam vorangeht, haben die entwurzelten Menschen Perspektiven entwickelt und blicken mit Hoffnung in die Zukunft. Für das Rayagada-Slumprojekt stellen wir 6.000 Euro zur Verfügung. Bitte spenden Sie unter dem Stichwort „SHED“!
Überschwemmungen
und Dürren, Hitzewellen und Kälteeinbrüche – unsere indischen Projekte bleiben
nicht von den Folgen des Klimawandels verschont, die die armen und
benachteiligten Bevölkerungsschichten besonders hart treffen. „Es ist höchste
Zeit zu handeln!“, darin sind sich unsere indischen Partner einig. Gemeinsam
erarbeiteten sie unter Anleitung von Anshuman Das, Geschäftsführer unseres
Partners DRCSC, Möglichkeiten, wie sie einfache Maßnahmen gegen Klimawandel in
ihre Projekte integrieren können. Neben der Anlage von Küchengärten und
Biogasanlagen sowie der Förderung ökologischen Landbaus sind Aufklärungsarbeit
und Katastrophenpräventionsprogramme wichtig. Im Rahmen von Kampagnen soll das
Bewusstsein für einen ökologischen, klimafreundlichen und nachhaltigen
Lebensstil sowohl bei den eigenen Mitarbeitern als auch bei der Dorfbevölkerung
gestärkt werden. Spenden unter dem Stichwort „Klima“
Seit
Januar 2009 arbeitet Payel Biswas, die bisher im Rahmen des Schulpartnerschaftsprojekts
beschäftigt war, zusätzlich für das von der Indienhilfe initiierte Netzwerk gegen Kinderarbeit (WBNACL)
als „Kampagnenassistentin für Bildung & Kinderrechte“. Das nächste Projekt:
an allen Schulen und Bildungseinrichtungen in unseren Projektgebieten sollen
Infotafeln angebracht werden. Aktuelle Meldungen zum Thema „Kinderarbeit – Kinderrechte“
sollen bei den Schülern ein Bewusstsein für die Thematik wecken. Zur Einführung
der Infotafeln wird ein Schüler-Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem der beste
Beitrag zum Motto „Combat Child Labour – Call for Child Rights“ prämiert wird. Spenden unter dem Stichwort „WBNACL“
Vor
5 Jahren richtete die Indienhilfe einen Notfall-Fonds ein, um Menschen in
besonderen Notlagen schnell und unbürokratisch helfen zu können. Finanziert
wurden vor allem Arzt- und Krankenhauskosten bei schweren Krankheiten oder
Unfällen, Wiederaufbauhilfe nach Überschwemmungen, Schulstipendien für einzelne
Kinder, warme Kleidung und Decken für alte Menschen bei Kälteeinbrüchen sowie
ein modellhaftes Ernährungsprogramm für unter- und mangelernährte Kinder. Die
große Nachfrage macht deutlich, dass die Menschen in unseren Projektgebieten
immer wieder Schicksalsschlägen ausgesetzt sind, die sie aufgrund ihrer
extremen Armut nicht alleine bewältigen können. Da die erstmalige Einlage von
10.000 Euro zu Ende geht, haben wir weitere
10.000 Euro für den Fonds bewilligt. Gleichzeitig wurden für die Fortführung des Ernährungsprogramms weitere
2.000 Euro zugesagt. Spenden bitte
unter dem Stichwort „Notfallfonds“
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Hoher Besuch in unserem Büro in Kalkutta: auf ihrer Indienreise im Herbst 2008 besuchte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ein Projekt unseres langjährigen Partners Seva Kendra Calcutta, in dessen Fortbildungszentrum unser Büro untergebracht ist, und nutzte unser Besprechungszimmer für Pressegespräche. Besonders beeindruckt war die Bundesministerin von der Arbeit mit Frauen-Selbsthilfegruppen (SHGs), die zu Motoren der Dorfentwicklung werden. Auch die Indienhilfe unterstützt in allen Projekten Frauen-Selbsthilfegruppen. Spenden unter dem Stichwort „SHG“ |
Spendenkonten
der Indienhilfe:
[1]
ICDS = Integrated Child Development Services; von UNICEF gefördertes Programm
der indischen Regierung für Schwangere, Mütter und Kinder bis 6 Jahre