Presseerklärung der Indienhilfe in Zusammenhang mit den Vorfällen bei UNICEF Deutschland
Herrsching, 29.4.08
Die Indienhilfe e.V., die selbst seit 1998 das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) führt, ist bestürzt darüber, dass nach den Informationen des DZI die Verantwortlichen von UNICEF Deutschland sich durch falsche Angaben das Siegel quasi erschlichen haben, obwohl die UNICEF-Praxis von Provisionszahlungen für Spendenwerber eindeutig den DZI-Richtlinien widersprochen hat. Die Indienhilfe findet die Praxis, professionelle Spendenwerber einzusetzen, die dann Provisionen erhalten, grundsätzlich für bedenklich und lehnt sie für sich ab. Auch alle anderen Vorwürfe, die gegen UNICEF Deutschland erhoben werden, sind schwer verdaulich – es bleibt abzuwarten, was die Untersuchungen ergeben werden.
Vorstand und Mitarbeiterinnen der Indienhilfe befürchten, dass nun in der Öffentlichkeit das Image des DZI-Spendensiegels angekratzt ist, weil das DZI letzten Endes neben den Prüfberichten der Wirtschaftsprüfer und auf die korrekten und ehrlichen Selbstauskünfte der Siegel-Organisationen angewiesen ist. Alle 230 Organisationen, die das Siegel tragen, leiden darunter, wenn ein Siegelträger gegen die Bedingungen verstößt und falsche Angaben macht.
Dies zeigt aber auch, dass Spender sich nicht ausschließlich auf Siegel verlassen, sondern sie nur als wichtigen Anhaltspunkt betrachten und sich daneben selbst ein eigenes Urteil über die in Frage kommende Organisation bilden sollten. Dies hat die Indienhilfe schon immer empfohlen – die Vorsitzende, Elisabeth Kreuz hat z.B. vor einigen Jahren beim Nord-Süd-Forum der SPD München einen Workshop zum Thema "Spendenpraxis/Wie spende ich richtig?" abgehalten. Bei Interesse kann sie diesen Workshop in Herrsching wiederholen - am Dienstag, den 22. April um 19 Uhr in den Räumen der Indienhilfe, Anmeldung erforderlich (email@indienhilfe-herrsching.de).
Im übrigen muß die Indienhilfe ähnlich kritisch auch bei der Auswahl ihrer indischen Projektpartner verfahren. Auch dort reicht es nicht, das Zertifikat eines Wirtschaftsprüfers zu lesen. Vielmehr unterhält die Indienhilfe enge persönliche Kontakte zu den indischen Partnerorganisationen. Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Indienhilfe nehmen regelmäßig die Projekte persönlich in Augenschein, wobei die Reisekosten privat getragen werden. Unterstützt werden sie dabei von kompetenten indischen Mitarbeitern, die die Situation vor Ort beurteilen und sich in der jeweiligen Landessprache verständigen können.
Missbrauch oder ineffiziente Verwendung von Spendengeldern kann so auf ein Minimum reduziert, wenn auch nie vollständig ausgeschlossen werden. Eine totale Gewissheit ist auch bei einem noch so intensiven Kontrollnetz nicht möglich – es entspricht einfach nicht den Realitäten. Wenn eine Organisation "absolute Sicherheit" verspricht oder behauptet, jeder Cent einer Spende käme beim Bedürftigen an, sollte der Spender misstrauisch werden, denn es widerspricht der menschlichen Erfahrung. Sinnvolle Kontrolle und Verwaltung der Spendengelder kostet auch Geld – bis zu 15 % der Ausgaben muss die Indienhilfe für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit aufwenden, um eine ordnungsgemäße Abwicklung und die regelmäßige Information der Spender sicher zu stellen. Aber die Indienhilfe spart dabei, wo immer möglich - Mobiliar, Ordner, sogar PCs sind weitgehend geschenkt! Die Gehälter sind weit untertariflich (was wir als Zeichen der Solidarität mit unseren Zielgruppen verstehen), und viele Arbeitsstunden werden zusätzlich ehrenamtlich erbracht, neben dem hohen Einsatz der ehrenamtlichen Helfer.
Die Mitarbeiterinnen und der Vorstand der Indienhilfe hoffen, dass die Spender die negativen Erfahrungen mit UNICEF nicht pauschal auf andere Organisationen übertragen, sondern genauer hinschauen, an wen und wofür sie spenden, und sich nicht von Glamour und Medienpräsenz einer Organisation und nicht von emotionaler Aufmachung leiten lassen. Sinnvolle und zielgerichtete Hilfe für bedürftige Menschen ist möglich und die allermeisten Organisationen gehen verantwortlich mit den ihnen anvertrauten Spendengeldern um.
Kommt jeder Euro an? – Die Wirksamkeit ist entscheidend!
Von jedem Euro, den wir von unseren Spendern für Armutsbekämpfung in Indien erhalten, werden mindestens 85 Cent direkt vor Ort eingesetzt. Dafür, dass dieses Geld auch sinnvoll und sparsam eingesetzt wird, sorgen bei der Indienhilfe:
In Indien –
In Deutschland –
Diese Sicherheit kann nicht kostenlos sein. Im Jahr 2004 beispielweise wurden 7,8 % der Ausgaben im Bereich Projektförderung in Indien für Verwaltungskosten aufgewendet, die Kosten für die Kontrollfunktion des Kalkutta-Büros eingeschlossen. 6,5 % wurden für Spendenwerbung benötigt. Insgesamt gingen also knapp 15 Cent eines gespendeten Euros nicht direkt in die Projekte. Aber sie haben dafür gesorgt, dass die restlichen 85 Cent möglichst gutund effektiv im Sinne der Spender eingesetzt werden konnten.
Elisabeth Kreuz
Vorsitzende der Indienhilfe e.V. Herrsching