Pogrome gegen Christen in Orissa

Seit Wochen kommt es zu blutigen Ausschreitungen gegen christliche Einrichtungen und zu brutalen Morden an Christen in Orissa. Auch unser Projektpartner SHED ist betroffen: im Projektzentrum von Jaganathpur wurden zwei Motorräder verbrannt. Momentan scheint sich die Situation dort etwas entspannt zu haben, aber mit eine erneuten Aufflammen ist jederzeit zu rechnen.

Eine sehr gute Zusammenfassung der Ereignisse haben Dr. Cornelia Mallebrein (Konstanz) und Clemens Jürgenmeyer (Arnold-Bergstraesser-Institut, Freiburg) verfasst, die wir freundlicherweise veröffentlichen dürfen:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

 

vor gut zwei Wochen, am 23. August 2008, wurden Swami Lakshmanada Saraswati und fünf weitere Personen in seinem Ashram in Jalespata, im Distrikt Kandhmal des indischen Bundesstaates Orissa, ermordet. Obwohl von Anfang an die Polizei den Verdacht äußerte, dass keine Christen, sondern möglicherweise sogenannte Maoisten für den Mord verantwortlich seien, brach eine Welle der Gewalt gegen Christen los, in deren Verlauf zahlreiche Häuser, Kirchen und andere Einrichtungen zerstört und viele unschuldige Menschen verletzt wurden und sogar zu Tode kamen.

 

Inzwischen haben sich die Maoisten zu dem Mord bekannt, doch es kursiert auch die Vermutung, dass die Täter im Umfeld von rivalisierenden Hindugruppen zu suchen sind. Jedenfalls war der Mord  an Swami Lakshmananda Saraswati der Anlass für die hindunationalen Gruppierungen, gegen die Christen in Orissa gewaltsam vorzugehen. Dabei wurden sie durch die Untätigkeit der Landesregierung von Orissa indirekt unterstützt.

 

Lakshmananda Saraswati, 83 Jahre, war ein überzeugter Gegner der Muslime und vor allem der Christen. Seit 1969 betrieb er aktiv in Orissa die Rekonvertierung von Christen zu Hindus. Er gehört der Führungsriege der hindunationalen, außerparlamentarischen Vishwa Hindu Parishad (VHP) an, einer Vereinigung, die Indien in der alleinigen Hand von Hindus sehen möchte. Ihr Generalsekretär ist Praveen Togaria. Er machte öffentlich die Christen für den Mord verantwortlich und rechtfertigte damit die Greueltaten.

 

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Todes des Swami kam Prabin Togaria nach Orissa, um dort die Angriffe gegen Christen zu koordinieren. Er führte den Gedenkzug an, bei dem Swami Lakshmananda Saraswati von Jalespata über 130 km nach Chakapada, einem weiteren Ashram, gebracht wurde. Tausende von Anhängern begleiteten den Zug, der in den schlimmsten Übergriffen gegen Christen endete. Die Akteure sind vor allem fanatische, lokale Hindus, die das Ziel verfolgen, das Kondhmal-Gebiet im Herzen Orissas von Christen zu säubern. Doch nicht nur hier, sondern auch in den anderen Distrikten fanden und finden vermehrt Angriffe gegen Christen und christliche Einrichtungen statt. Die Gewalt, die dabei angewendet wird, ist von unvorstellbarem Ausmaß. Unterstützt wird diese Aktion auch von der führenden hindunationalen Kaderorganisation RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh).  

 

Schon an Weihnachten 2007 kam es zu Zerstörungen von Häusern und christlichen Einrichtungen. Nach Angabe des All India Christian Council wurden über 100 große und kleine Kirchen zerstört, über 700 Häuser und 40 Läden angezündet. Mehr als 6000 Christen suchten damals Schutz in Notaufnahmelagern. Trotz Ausgangssperre konnten seinerzeit die Hindufantatiker ungestört agieren, die Polizei griff nicht ein.

 

Die Landesregierung hat inzwischen zehn Camps für Flüchtlinge eingerichtet. Die Situation in den Lagern ist katastrophal. Die Zelte sind leck, es gibt fast nichts zu Essen. Hilfsorganisationen dürfen nicht in das Gebiet. Die Regierung schafft es nicht, die mehr als 22 000 Menschen, die in Camps Zuflucht gesucht haben, mit Reis zu versorgen. Es gibt kaum sanitäre Anlagen. Man hat Angst vor Seuchen, da es kontinuierlich regnet. Bis heute wurden 3932 Häuser in 163 Dörfern zerstört, 13 kirchliche Einrichtungen, 84 Kirchen und es gab 35 Tote (siehe Anhang).
 

Doch auch in den Camps sind die Menschen nicht sicher. Vor einigen Tagen hat ein Mob von ca. 2500 Hinduextremisten versucht, das Camp in Tikabali anzugreifen und anzuzünden. Sie stahlen alle Essensvorräte. Noch immer sind ca. 50 000 Menschen auf der Flucht, viele verstecken sich im Wald, sind bei Bekannten untergetaucht oder suchen Schutz in einem der hastig errichteten Relief Camps.

 

Die meisten Christen im Kondhmalgebiet leben an der Armutsgrenze. Einige jedoch konnten durch Fleiss und gute Schulbildung einen bescheidenen Wohlstand schaffen, dazu gehört ein Haus, ein Fernseher und ein Motorrad. Führungspositionen und hohe Regierungsposten erhalten die Christen jedoch kaum.

 

Es gibt mehrere Gründe für die Gewalt gegen Christen:

 

 

 Im Anhang finden Sie die aktuelle Chronologie über den Verlauf der Unruhen und eine exakte Aufstellung über die Zerstörung. Desweiteren verschiedene Beiträge von anerkannten Autoren. Tagesaktuelle Nachrichten finden Sie unter : http://orissaburning.blogspot.com/ und  http://www.tehelka.com/

  

Bitte schicken Sie ein Fax oder eine e-mail direkt an den Chief Minister von Orissa, Mr. Naveen Patnaik, und bitten Sie darum, dass die Ausschreitungen gegen Christen sofort unterbunden und noch nicht zerstörte Dörfer und ihre Bewohner staatlicherseits geschützt werden.

 

Wir fügen drei Musterbriefe bei. Bitte leiten sie diese mit einer Blindkopie! an Herrn Hemant Nayak (hemantn74@gmail.com) weiter. Herr Nayak schickt den Brief an den Collector und Sub-Collector des Kandhamal-Districts

 

The Chief Minister of Orissa

Mr. Naveen Patnaik
Through the Office of the Chief Secretary
Government of Orissa
Bhubaneswar, Orissa
INDIA
Fax: + 91 674 2536660
E-mail: csori@ori.nic.in; cmo@ori.nic.in

http://orissa.gov.in/cmorissa/Cabinet.asp

Anrede: Honorable Chief Minister

  

Es ist auch wichtig, an die Indische Botschaft zu schreiben (deutsch/englisch):

Botschaft der Republik Indien, Tiergartenstr. 17, 10785 Berlin

infowing@indianembassy.de 

Die Botschafterin heißt Mrs. Meera Shankar.

Anrede: Your Excellency Meera Shankar

 

Wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihre Mithilfe,

 

Cornelia Mallebrein, Konstanz
Clemens Jürgenmeyer, Arnold-Bergstraesser-Institut, Freiburg"

Protestbriefe zum Download:

Brief an Mr. Naveen Patnaik, Chief Minister of Orissa (Word, 29 KB)

Brief an Mrs. Meera Shankar, Botschafterin, Indische Botschaft in Berlin (Word, 29 KB)


Die im Text genannten Anlagen leiten wir Ihnen gerne auf Anfrage weiter!