Jugendteam demonstriert in Rostock für eine gerechtere Welt
Die Umsetzung der Milleniumsentwicklungsziele (MDGs) gehört zu einem wichtigen Anliegen der Indienhilfe und sie gehört zu den Unterstützern der Kampagne "Deine Stimme gegen Armut". Vor 2 Jahren, im Juli 2005 nahmen Vertreter des Indienhilfe-Jugendteams an den Live8-Konzerten und Demonstrationen im schottischen Edinburgh teil, wo zu diesem Zeitpunkt der G8-Gipfel statt fand. Im Anschluss an die Fahrt organisierte die Indienhilfe am 10. September 2005 einen großen Aktionstag gegen Armut am Ammersee-Ufer in Herrsching. Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier.
In diesem Jahr fand der G8-Gipfel in Heiligendamm statt und für den 2. Juni 2007 war eine große internationale Demonstration geplant. Für die Jugendlichen der Indienhilfe war klar, dass sie daran teilnehmen werden, um von den Regierungschefs der G8-Staaten die Erhöhung und Verbesserung der Entwicklungshilfe, einen gerechten Welthandel und den Erlass illegitimer Schulden zu fordern, damit die im Jahr 2000 gefassten Milleniumsentwicklungsziele bis zum Jahr 2015 erreicht werden können.
Milan Flach vom Jugendteam der Indienhilfe berichtet:
Am Abend des 1.Juni starteten wir mit dem von Attac
organisierten Sonderzug nach Rostock. Der Bahnhof war schon bei unserer
Ankunft gefüllt mit Aktivisten, die nur eines verband: Sie wollten ihre Kritik
am G8-Gipfel in Heiligendamm auf der internationalen Demo in Rostock ausdrücken. Der Vielzahl
war keine Grenze gesetzt. Mit Anwesenheit glänzten schon hier Sympathisanten
der Friedensbewegung neben autonomen Punks, Mitglieder der SDAJ
(Sozialistische Deutsche Arbeiter Jugend) neben Umweltschützern und
Entwicklungshelfern (zu denen Alice Barth, Sabine Dlugosch und ich zählten).
Auch die Presse war anwesend und interviewte uns vor laufender Kamera,
wobei die Fragen sich in einem relativ einfachen Rahmen bewegten ("Was machen
Sie, wenn Sie die nächsten Nächte nicht zum Schlafen kommen" oder "Haben Sie
Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen auf der Demo"). Schließlich kam
der Zug, der aus dem letzten Jahrzehnt bestellt war und, statt mit 15 Polizisten
mit zwei Kommunikationsmanagern in Zivil bemannt war, die sich in ihrem
Schlafwagen zurückzogen. In unserem Abteil schliefen wir die Nacht einige
Stunden zwischen dem Gegröle politischer Liedern nebenan und kamen schließlich
um halb neun Uhr des nächsten Tages in Rostock an. Nachdem wir unsere Turnhalle
gefunden hatten, die uns als Schlafplatz dienen sollte, und dort unter den
ersten fünf Ankömmlingen unser Gepäck deponierten, begaben wir uns zurück zum
Hauptbahnhof, an dem ein Teil der Demonstration startete
Die Demonstration war in verschieden Blöcke aufgeteilt, die auf dem kompletten
Marsch zum Hafen in ihrer Reihenfolge blieben. Vor uns tummelten sich
verschieden Großpuppen, die um 13.00 h symbolisch den Zaun von Heiligendamm
durchbrachen.
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Wir liefen bei "Gerechtigkeit Jetzt" mit und traten damit für fairen Welthandel und die Umsetzung der UN-Milleniumgoals ein. Die vier Kilometer lange Strecke wurde relativ zügig zurückgelegt, wobei es an der Spitze durchweg friedlich zuging: Es herrschte Verwunderung über die "modernen gepanzerten Ritter" der Polizei oder die verbarrikadierten Schaufenster der Geschäfte. |
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| Am Hafen erwartete die Demonstranten eine Bühne für inhaltliche Inputs sowie Musikbands, deren Töne aber leider von den immerzu tief kreisenden Polizeihubschraubern überschattet wurden.Als der größte Teil des zweiten Demozugs angekommen war, eskalierte die Situation zwischen dem weit hinten marschierenden Schwarzen Block Autonomer und der Polizei. | ||
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Wer dabei den Auslöser gab, lässt sich im
nachhinein nicht mehr sagen und spielt auch keine Rolle für den Fortgang
der Demo. Glücklicherweise bemerkten wir das Zuspitzen der Situation früh genug, um rechtzeitig in die Nähe der Bühne zu flüchten, die von ungefähr 75.000 friedlichen Demonstranten umgeben war. Die Demonstrationsleitung versuchte die Situation wieder zu entspannen und forderte gleichzeitig den Abzug der Hubschrauber, die über dem friedlichen Teil der Demonstranten kreisten und die Kundgebungen massiv störten. Nachdem an den Rändern Autos brannten und die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzte, flüchtete ungefähr die Hälfte der friedlichen Demonstranten. |
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Erst
um 19.00 h entspannte sich die Situation, als berühmtere Musikbands die
Aufmerksamkeit aller auf sich zogen. Doch wir hatten mit der anderen Hälfte
ausgeharrt: Wir wollten den Platz nicht den gewalttätigen Demonstranten
preisgeben und die Demonstration dem Chaos überlassen. Es musste ein Zeichen
gesetzt werden, für die Medien, für die Politiker und auch für uns selbst, um
zu zeigen, dass nicht nur gewalttätige Autonome die Großdemo in Rostock
beherrschten. Denn Gewalt wird in den Medien eine zu große Aufmerksamkeit
gezollt, die sie aber nicht verdient hat. Denn Informationen werden nur von
friedlichen Demonstranten vermittelt, welche auch massenmäßig, mit
zwanzigfacher Überzahl, den ungefähr zwei - bis dreitausend Gewaltbereiten
überlegen waren. Ich bedauere alle Bürger, denen durch das Fernsehen ein
falsches und vor allem zu extremes Bild der Demonstration übermittelt wurde. Nach einer kurzen, aber geruhsamen Nacht in einer zum Übernachten freigegebenen Turnhalle traten wir dann unsere Rückfahrt nach Herrsching an. Über vierzehn Stunden später waren wir sicher und müde wieder zuhause angekommen. Milan Flach, 7.6.2007 |