Reisebericht des Jugendteams

Zusammenarbeit mit indischen Schülern

Diesen Sommer 2006 flogen wir als das Jugendteam der Indienhilfe nach Kalkutta, um dort an einem Workshop gegen Kinderarbeit teilzunehmen. Vor dem zweitägigen Workshop hatten wir uns bereits mit dem Thema auseinandergesetzt: einerseits durch Projektbesuche in Indien und andererseits durch die nie versiegende Quelle an eng bedruckten Informationsblättern.

Doch die eigentliche Herausforderung stand uns noch bevor: die Kulturunterschiede überwindende Zusammenarbeit mit gleichaltrigen indischen Schülern. Am Anfang herrschte Schweigen. Nach den üblichen Fragen nach Name, Klasse, Fächern und Hobbies verlor sich das Gespräch wieder in der Stille, was vielleicht auch daran lag, dass wir nur in Englisch kommunizieren konnten. Wir konnten uns zwar alle recht gut ausdrücken, aber die jeweilige Muttersprache zieht man dann irgendwie doch vor.

Zum Glück hatten wir ja ein Thema, Kinderarbeit, und für den Anfang einen Arbeitsauftrag: die Herausarbeitung der Unterschiede zwischen Kinderarbeit in Indien und Deutschland. Doch wie erklärt man, dass in Deutschland so etwas wie "child labour" gar nicht existiert und daher auch kein Problem darstellt? Dass Kinder und Jugendliche nur wenige Wochenstunden arbeiten, freiwillig, um ihr Taschengeld aufzubessern? Bei uns käme man ja gar nicht auf die Idee, dass ein Sechsjähriger irgend etwas anderes tun könnte als in die erste Klasse zu gehen. In Indien dagegen sammeln viele Kinder in diesem Alter Brennmaterial oder helfen ihren Eltern den ganzen Tag im Haushalt und bei der Feldarbeit, damit sich die Familie ihren täglichen Reis leisten kann. Wir wissen zwar immer noch nicht, ob wir die Situation ausreichend erklären konnten, aber die Diskussion war auf jeden Fall sehr interessant und lebhaft.

Da schließlich geklärt war, dass es in Deutschland in dieser Hinsicht nicht direkt etwas zu bekämpfen gibt, war unsere nächste Aufgabe, gemeinsame Aktionen der Jugend und der NGOs gegen Kinderarbeit in Indien zu planen. Wir sammelten Ideen, was vor Ort und in Herrsching und Umgebung unternommen werden könnte. Bei den meisten Vorschlägen überwogen die idealistischen Vorstellungen zwar die konkret umsetzbaren Ideen, aber nichtsdestotrotz präsentierten wir am nächsten Tag unsere Ergebnisse den erwachsenen Workshopteilnehmern. Die wohl am positivsten aufgenommenen Idee war die eines Theaterstücks über das Leben eines Kinderarbeiters. Möglicherweise ein Mittel, um deutschen Kindern das Thema nahezubringen?

Um das Ganze auch für die Nachwelt zu konservieren, wurden in vier multikulturellen Gruppen Poster zu Themen wie "What students can do against child labour" und ähnlichem erstellt. Auch hier bemerkte man Unterschiede, die wir hauptsächlich auf die Erziehung im Schulsystem zurückführten. Während wir eher auf den Inhalt der Poster achteten, wurden von indischer Seite besonders die äußere Form sowie die unantastbare Meinung der Lehrer und anderer älterer Respektspersonen bedacht. Auch die Poster stellten wir dem restlichen Workshop noch einmal vor. Dabei bemerkten wir, dass wir von den Zuhörern, die teilweise einen eher ermüdeten Eindruck machten, genausoviel beachtet wurden wie jeder andere Vortragende.

So gingen die Workshoptage zu Ende, die zwar anstrengend waren, uns aber durch den engen Kontakt mit Gleichaltrigen einen sehr interessanten Einblick in diese fremde Kultur lieferten, der derart "live" beeindruckender war als jede Erzählung aus zweiter Hand.

Wir hoffen, dass auch die anderen etwas mitgenommen haben und dass ein solcher Austausch in Zukunft öfter ermöglicht wird.

Franzi, Alice, Milan
Flug Dubai – München, 21.8.06