Regionale Jugendarbeit

Indienhilfe-Jugendteam

Nachdem es in letzter Zeit ziemlich ruhig um das Indienhilfe-Jugendteam geworden ist, wollen wir jetzt mit neuem Elan wieder anfangen - und dafür brauchen wir Dich! Du interessierst Dich für Indien und die Eine-Welt-Thematik? Die möchtest einen Beitrag leisten zu interkulturellem Austausch und der Verbesserung der Lebensbedingungen für Menschen in Indien? Dann bist Du hier genau richtig!

Die Ziele des Jugendteams der Indienhilfe sindJugendteam

  • Beschäftigung mit Indien und seiner vielfältigen Kultur
  • Kontakt zu und Austausch mit anderen Indien-interessierten Jugendlichen
  • Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung für Probleme Indiens und der Einen Welt
  • Durchführung gemeinsamer Aktionen, um Spenden für die Projekte der Indienhilfe zu sammeln
  • und natürlich jede Menge Spaß haben

Wie wir diese Ziele verfolgen, bleibt ganz Eurer Phantasie überlassen! Es ist jede Menge Platz für eigene Ideen und Vorstellungen! Bisher haben wir beispielsweise zusammen mit einem Gast aus Indien "Diwali" gefeiert, das indische Fest des Lichts, bei dem Kerzen in Papierschiffchen auf dem Kienbach ausgesetzt wurden. Zusammen mit der Indiengruppe Vikas des Christoph-Probst-Gymnasiums in Gilching haben wir vor dem Schulkonzert im Juli indische Snacks und Gewürztee (Chai) verkauft und durch Henna-Malerei und Anprobe indisches Flair auf den Schulhof gebracht. Das Highlight des Jahres bildete das 15jährige Jubiläum des Nord-Süd-Forums in München, bei dem wir stark vertreten waren. Die Mädchen konnten sich in Saris einkleiden und mit Henna schmücken lassen, die Jungen konnten am Carrom-Brett, der indischen Variante von Billiard, ihre Fähigkeiten testen. Beim Malen mit Reismehl und beim Bedrucken von Stoff mit indischen Motiven konnte der Kreativität freier Lauf gelassen werden. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt - mit Pakoras (indischen Gemüsepflänzchen) und Gewürztee (Chai)! Es hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht und die Besucher waren voll des Lobes! Zum Jahresende haben wir es gemütlich ausklingen lassen: gemeinsam haben wir den Film "Silent Waters" angeschaut und uns an einem indischen Abendessen erfreut. Gut gestärkt können wir also nun dem Neuen Jahr entgegen blicken, in dem wir hoffentlich wieder viele schöne Stunden und tolle Aktionen erleben werden. Die Möglichkeiten sind zahlreich:

  • Kochen eines indischen Menüs
  • Filmabend mit indischen Filmen
  • Veranstaltung einer "Indien-Party"
  • Aktionen zur Spendensammlung
  • ...
  • ...
  • alles, worauf Ihr Lust habt!

Hast Du Lust, dabei zu sein? Dann melde Dich einfach bei der Indienhilfe. Dort kannst Du Dich über die bisherigen Aktivitäten informieren sowie den Termin für das nächste Treffen erfragen. Gerne kannst Du uns auch Deine Email-Adresse zukommen lassen, damit wir Dich in den Jugendteam-Verteiler aufnehmen können - so bist Du immer über die nächsten Aktionen informiert


Indienhilfe-Jugendteam am 16.9.2013 beim Eine-Welt-Report des Nord Süd Forum München auf Radio LORA 92,4

Anlässlich des Tages der Kinderrechte war die Indienhilfe zu Gast beim Eine-Welt-Report des Nord Süd Forum München auf Radio LORA 92,4. Engagierte Kinder und Jugendliche aus Herrsching und Weßling berichteten über Kinderarbeit und Kinderrechte sowie ihr ehrenamtliches Engagement für Kinder aus Westbengalen/Indien und Sambia. Die Sendung können Sie hier nachhören.

Die Sendung ist hinterlegt mit Musik von Holiwater Project (http://holiwater.com/home/). Technische Unterstützung von Frank Loleit (www.frankloleit.com).


Jugendteam demonstriert in Rostock für eine gerechtere Welt (Juni 2007)

Die Umsetzung der Milleniumsentwicklungsziele (MDGs) gehört zu einem wichtigen Anliegen der Indienhilfe und sie gehört zu den Unterstützern der Kampagne "Deine Stimme gegen Armut". Vor 2 Jahren, im Juli 2005 nahmen Vertreter des Indienhilfe-Jugendteams an den Live8-Konzerten und Demonstrationen im schottischen Edinburgh teil, wo zu diesem Zeitpunkt der G8-Gipfel statt fand. Im Anschluss an die Fahrt organisierte die Indienhilfe am 10. September 2005 einen großen Aktionstag gegen Armut am Ammersee-Ufer in Herrsching. Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier.

In diesem Jahr fand der G8-Gipfel in Heiligendamm statt und für den 2. Juni 2007 war eine große internationale Demonstration geplant. Für die Jugendlichen der Indienhilfe war klar, dass sie daran teilnehmen werden, um von den Regierungschefs der G8-Staaten die Erhöhung und Verbesserung der Entwicklungshilfe, einen gerechten Welthandel und den Erlass illegitimer Schulden zu fordern, damit die im Jahr 2000 gefassten Milleniumsentwicklungsziele bis zum Jahr 2015 erreicht werden können.

Milan Flach vom Jugendteam der Indienhilfe berichtet:

Am Abend des 1.Juni starteten wir mit dem von Attac organisierten Sonderzug nach Rostock. Der Bahnhof war schon bei unserer Ankunft gefüllt mit Aktivisten, die nur eines verband: Sie wollten ihre Kritik am G8-Gipfel in Heiligendamm auf der internationalen Demo in Rostock ausdrücken. Der Vielzahl war keine Grenze gesetzt. Mit Anwesenheit glänzten schon hier Sympathisanten der Friedensbewegung neben autonomen Punks, Mitglieder der SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiter Jugend) neben Umweltschützern und Entwicklungshelfern (zu denen Alice Barth, Sabine Dlugosch und ich zählten). Auch die Presse war anwesend und interviewte uns vor laufender Kamera, wobei die Fragen sich in einem relativ einfachen Rahmen bewegten ("Was machen Sie, wenn Sie die nächsten Nächte nicht zum Schlafen kommen" oder "Haben Sie Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen auf der Demo"). Schließlich kam der Zug, der aus dem letzten Jahrzehnt bestellt war und, statt mit 15 Polizisten mit zwei Kommunikationsmanagern in Zivil bemannt war, die sich in ihrem Schlafwagen zurückzogen. In unserem Abteil schliefen wir die Nacht einige Stunden zwischen dem Gegröle politischer Liedern nebenan und kamen schließlich um halb neun Uhr des nächsten Tages in Rostock an. Nachdem wir unsere Turnhalle gefunden hatten, die uns als Schlafplatz dienen sollte, und dort unter den ersten fünf Ankömmlingen unser Gepäck deponierten, begaben wir uns zurück zum Hauptbahnhof, an dem ein Teil der Demonstration startete

Die Demonstration war in verschieden Blöcke aufgeteilt, die auf dem kompletten Marsch zum Hafen in ihrer Reihenfolge blieben. Vor uns tummelten sich verschieden Großpuppen, die um 13.00 h symbolisch den Zaun von Heiligendamm durchbrachen.

     

Wir liefen bei "Gerechtigkeit Jetzt" mit und traten damit für fairen Welthandel und die Umsetzung der UN-Milleniumgoals ein. Die vier Kilometer lange Strecke wurde relativ zügig zurückgelegt, wobei es an der Spitze durchweg friedlich zuging: Es herrschte Verwunderung über die "modernen gepanzerten Ritter" der Polizei oder die verbarrikadierten Schaufenster der Geschäfte.

     

 
Am Hafen erwartete die Demonstranten eine Bühne für inhaltliche Inputs sowie Musikbands, deren Töne aber leider von den immerzu tief kreisenden Polizeihubschraubern überschattet wurden.Als der größte Teil des zweiten Demozugs angekommen war, eskalierte die Situation zwischen dem weit hinten marschierenden Schwarzen Block Autonomer und der Polizei.

Wer dabei den Auslöser gab, lässt sich im nachhinein nicht mehr sagen und spielt auch keine Rolle für den Fortgang der Demo.
Glücklicherweise bemerkten wir das Zuspitzen der Situation früh genug, um rechtzeitig in die Nähe der Bühne zu flüchten, die von ungefähr 75.000 friedlichen Demonstranten umgeben war. Die Demonstrationsleitung versuchte die Situation wieder zu entspannen und forderte gleichzeitig den Abzug der Hubschrauber, die über dem friedlichen Teil der Demonstranten kreisten und die Kundgebungen massiv störten. Nachdem an den Rändern Autos brannten und die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzte, flüchtete ungefähr die Hälfte der friedlichen Demonstranten.

Erst um 19.00 h entspannte sich die Situation, als berühmtere Musikbands die Aufmerksamkeit aller auf sich zogen. Doch wir hatten mit der anderen Hälfte ausgeharrt: Wir wollten den Platz nicht den gewalttätigen Demonstranten preisgeben und die Demonstration dem Chaos überlassen. Es musste ein Zeichen gesetzt werden, für die Medien, für die Politiker und auch für uns selbst, um zu zeigen, dass nicht nur gewalttätige Autonome die Großdemo in Rostock beherrschten. Denn Gewalt wird in den Medien eine zu große Aufmerksamkeit gezollt, die sie aber nicht verdient hat. Denn Informationen werden nur von friedlichen Demonstranten vermittelt, welche auch massenmäßig, mit zwanzigfacher Überzahl, den ungefähr zwei - bis dreitausend Gewaltbereiten überlegen waren. Ich bedauere alle Bürger, denen durch das Fernsehen ein falsches und vor allem zu extremes Bild der Demonstration übermittelt wurde.
Nach einer kurzen, aber geruhsamen Nacht in einer zum Übernachten freigegebenen Turnhalle traten wir dann unsere Rückfahrt nach Herrsching an. Über vierzehn Stunden später waren wir sicher und müde wieder zuhause angekommen.

Milan Flach, 7.6.2007

 


Indienhilfe-Jugendteam im Kampf gegen Kinderarbeit (August 2006)

Pressemeldung 8.August 2006

Indienhilfe-Jugendteam im Kampf gegen Kinderarbeit
Fünf Vertreter der Indienhilfe reisen zu Workshop gegen Kinderarbeit nach Kolkata

Arbeitende Kinder in einer Ziegelei bei Malda, Westbengalen
(Foto: Regina Haß)

Die Indienhilfe e.V. engagiert sich seit 26 Jahren für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Indien, insbesondere dem Bundesstaat Westbengalen mit der Hauptstadt Kalkutta. Bei allen unterstützten Projekten, die von erfahrenen indischen Partnerorganisationen durchgeführt werden, steht die Situation von Kindern im Vordergrund, die durch Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen verbessert werden soll. Auch die Eltern werden durch einkommenschaffende Maßnahmen und Bewußtseinsbildung einbezogen, um die Situation der Kinder nachhaltig zu verändern. Durch ihre entwicklungspolitische Bildungsarbeit und den Aufbau und die Begleitung von bayerisch-indischen Schulpartnerschaften versucht die Indienhilfe, auch Kinder hier in Deutschland über das Leben und die Situation von Kindern in Indien zu informieren und sie zu einem nachhaltigeren und gerechteren Lebensstil zu ermutigen.

Besonders engagierte Jugendliche haben sich im Indienhilfe-Jugendteam zusammengeschlossen. Drei von ihnen werden am 18. und 19. August gemeinsam mit Elisabeth Kreuz, der Gründerin und Vorsitzenden der Indienhilfe, und Mitarbeiterin Sabine Dlugosch an einem Workshop gegen Kinderarbeit in Kolkata teilnehmen. Ziel der Jugendlichen ist es, als eigene Arbeitsgruppe gemeinsam mit den Schülern der indischen Partnerschulen einen Aktionsplan zu erarbeiten, wie Kinder und Jugendliche in Indien und in Deutschland gemeinsam gegen Kinderarbeit aktiv werden können.

Indienhilfe – Kinderarbeit – Workshop mit Vertretern von Zivilgesellschaft und Politik

Mit der Gründung eines "Netzwerkes gegen Kinderarbeit in gesundheitsschädlichen Bereichen" Anfang 2005 hat die Indienhilfe gemeinsam mit ihren indischen Partnerorganisationen den Kampf gegen Kinderarbeit als neuen Schwerpunkt ihrer Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, durch ständigen Erfahrungsaustausch gemeinsam Modelle zu entwickeln, um Alternativen für die Kinder zu schaffen und ihre Rechte zu stärken.

Aufschwung bekam das Netzwerk durch Timm Christmann, einen Historiker mit Schwerpunkt Internationales Recht aus Heidelberg, der sechs Monate lang als volunteer (auf eigene Kosten!) Informationen zur Situation von Kinderarbeit in den verschiedenen Projektgebieten und bei anderen erfolgreichen Kinderarbeitsorganisationen in Indien sammelte. Neben statistischen Daten liefern Interviews mit Kinderarbeitern wichtige Informationen über die Lebensbedingungen der Kinderarbeiter. Im Norden von Westbengalen arbeiten beispielsweise viele Kinder in Ziegeleien und auf dem Fischmarkt. Einen Teil ihres selbstverdienten Geldes geben sie ihren Eltern, aber den Rest behalten sie und verwenden das Geld für den Kauf von Zigaretten, Alkohol oder Drogen.

Auf der Basis dieser Untersuchungen organisiert Timm Christmann in Zusammenarbeit mit dem Indienhilfe-Büro in Kolkata einen zweitägigen Workshop mit dem Thema "Combat Child Labour – Call for Child Rights", der zum einen der Lobbyarbeit und zum anderen der Weiterentwicklung des Netzwerks dient. Zwei erfahrene Organisationen, die schon lange im Kampf gegen Kinderarbeit erfolgreich arbeiten, die MV-Foundation aus Andhra Pradesh und CRY (Child Rights & You, indienweit), werden in Vorträgen über ihre Ansätze und Projekte informieren und anschließend in kleinen Arbeitsgruppen die Partner der Indienhilfe bei der Erarbeitung eines Aktionsplans unterstützen. Ursprünglich nur für die Partnerorganisationen der Indienhilfe geplant, erwies sich das Thema im Laufe der Zeit als derart brisant, dass auch hochrangige Vertreter der Regierung von Westbengalen sowie große Kinderrechtsorganisationen wie UNICEF ihr Interesse an dem Workshop bekundet haben. Da die Ergebnisse des Workshops wegweisend für die künftige Schwerpunktsetzung bei der Indienhilfe sein werden, werden zwei Mitarbeiterinnen sowie drei Jugendliche nach Indien reisen, um an dem Workshop teilzunehmen.

Indienhilfe-Vertreter besuchen Kinderarbeiter-Projekte

Zwei Wochen lang werden Vertreter der Indienhilfe in Westbengalen verschiedene Kinderarbeiter-Projekte besuchen. Die beiden Jugendlichen Alice Barth (18) und Milan Flach (18) vom Christoph Probst Gymnasium Gilching, wo seit 1999 eine Schulpartnerschaft besteht, flogen bereits am gestrigen Montag nach Kolkata, um eine Partnerorganisation der Indienhilfe im Norden von Westbengalen zu besuchen, wo seit vielen Jahren Schulen für Kinderarbeiter gefördert werden, in denen die Kinder vor oder nach der Arbeit Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und Zeit zum Spielen und Kindsein haben.

Eine Woche später wird Franziska Walter (16), ebenfalls CPG Gilching, mit Elisabeth Kreuz und Sabine Dlugosch von der Indienhilfe nachkommen. (Die preisgünstigen Flüge, 644 Euro, wurden von einigen Spendern finanziert, die die Beteiligung auch von deutscher seite für wichtig hielten. Alle 3 Jugendlichen waren bereits auf eigene Kosten mit der IH in Indien und haben umfassende Vorbereitungsworkshops mitgemacht.) Gemeinsam wird das fünfköpfige Team mehrere Kinderprojekte in Kolkata und Umgebung besuchen, z.B. das neue Indienhilfe-Projekt "Nabadisha", bei dem Slum- und Straßenkinder in besonders kriminellen Stadtteilen auf den Schulbesuch in Regierungsschulen vorbereiten werden. Das Besondere an diesem Projekt ist der enge Kontakt mit der Polizei von Kolkata und Westbengalen, die das Projekt mit ins Leben gerufen hat. Polizeibeamte erhalten hierbei Schulungen im Umgang mit Straßen- und Slum-Kindern und deren spezifischen Bedürfnissen und durch regelmäßige Besuche der Polizei in den Zentren wird bei den Kindern ein Vertrauen zur Polizei geschaffen.

Indienhilfe-Jugendteam und Kinderarbeit

Schon vor ihrer Reise haben sich die drei Jugendlichen mit dem Thema Kinderarbeit beschäftigt und waren mit der Indiengruppe Vikas am CPG Gilching maßgeblich daran beteiligt, dass nach Herrsching auch in Gilching ein Gemeinderatsbeschluss gegen Beschaffungen aus ausbeuterische Kinderarbeit unterzeichnet wurde. Für den Workshop haben die Jugendlichen eine Präsentation über Kinderarbeit in Deutschland vorbereitet, die die indischen Partner über die Situation in Deutschland informieren soll.

In einer eigenen Schüler-Arbeitsgruppe werden die Jugendlichen während des Workshops mit Schülern der indischen Partnerschulen über verschiedene Formen von Kinderarbeit diskutieren und einen Aktionsplan erarbeiten, wie Kinder und Jugendliche in Indien und in Deutschland gemeinsam gegen Kinderarbeit aktiv werden können.

Nach ihrer Rückkehr werden die deutschen Jugendlichen ihre Ergebnisse in den deutschen Partnerschulen vorstellen und sich für die Umsetzung des erarbeiteten Plans engagieren. Ferner werden sie als Referenten über ihre Erfahrungen während der Reise und des Workshops berichten können.

Kinderarbeit in Herrschings Partnergemeinde Chatra

Neben dem Aufenthalt in Kolkata steht auch ein Besuch in Herrschings Partnergemeinde Chatra auf dem Programm. Milan Flach als Jugendvertreter der Gemeinde Herrsching – die auch seinen Flug finanziert hat – und Franzi Walter, Jugendgruppenleiterin der Kath. Pfarrgemeinde Herrsching, werden dort Pronab Biswas, den Bürgermeister von Chatra, und das "Chatra Sensitive Citizens‘ Forum" treffen. Gemeinsam mit den IH-Vertreterinnen soll ein Plan entwickelt werden, wie die Gemeinde Herrsching, die im Juni 2005 einen Gemeinderatsbeschluss gegen ausbeuterische Kinderarbeit verabschiedet hat, mehr für die Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Kinderarbeitern in Chatra leisten kann. Dabei wird auch eng mit der Chatra Boys High School und der Chatra Girls High School zusammengearbeitet, deren Schüler auch an dem Workshop in Kolkata teilnehmen.

Indische Regierung und Kinderarbeit

Dass die indische Regierung dem Problem der Kinderarbeit nicht gleichgültig gegenüber steht, wurde in den letzten Tagen mit Schlagzeilen in allen indischen Medien deutlich: Der bereits 1986 erlassene Child Labour Prohibition Act, der Kinderarbeit in besonders gefährlichen Bereichen (z.B. Steinbrüche, Feuerwerkskörperfabriken, Minen, etc.) verbietet, wurde vergangene Woche um den Bereich von Kinderarbeit im häuslichen Bereich erweitert. Die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren als Hausangestellte, in Teeläden, Restaurants und Hotels wird damit ebenfalls unter hohe Strafen gestellt, die von Geldstrafen (bis zu mehreren tausend Euro) bis zu Gefängnis reichen.

Dieser Beschluss hat weitreichende Folgen, denn in diesen Bereichen ist der Anteil arbeitender Kinder besonders hoch, besonders versteckt, und er betrifft praktisch fast jeden in seinem Alltag. Fast jede Mittelschichtfamilie beschäftigt Kinder, meist Mädchen, für Haushaltsarbeiten. So ziemlich alle, außer den ganz Armen, nehmen Tee oder Mahlzeiten an Imbißbuden ein, in denen Kinder beschäftigt werden. Auch wenn diese Tätigkeiten auf den ersten Blick nicht gefährlich erscheinen, so sind die Kinder dort doch besonders negativen Einflüssen, vor allem auf ihre seelische und Persönlichkeits-Entwicklung ausgesetzt, und werden davon abgehalten, eine Schule zu besuchen. In Teeläden, Restaurants und Hotels kommen die Kinder über Kriminelle oder verkommene Menschen häufig in Kontakt mit Alkohol und Drogen, für die sie ihr selbstverdientes Geld ausgeben. Im häuslichen Bereich ist neben Gewalt die Gefahr des sexuellen Missbrauchs besonders gross, vor allem für Mädchen.

Die neue Gesetzgebung der indischen Regierung weist in die richtige Richtung zur Abschaffung von Kinderarbeit. Allerdings ist es bis dahin noch ein langer Weg, bei dem die Regierung auf die Unterstützung durch zivilgesellschaftliche Organisationen, wie die Partner der Indienhilfe, angewiesen ist. Auch ist es wichtig für die erfolgreiche Einschulung der ehemaligen Kinderarbeiter, dass die Schulen auf deren Bedürfnisse eingehen und qualitative Bildung anbieten. Auch in diesem Bereich sind die Partner der Indienhilfe aktiv.

Wenn Sie einen direkten Beitrag zur Verbesserung der Situation von Kinderarbeitern leisten möchten,
 spenden Sie bitte unter dem Stichwort "Kinderarbeit" auf das
IH-Projektkonto Nr. 430 377 663 bei der KSK Müchen-Starnberg, BLZ 702 501 50


Reisebericht des Jugendteams zur Zusammenarbeit mit indischen Schülern (August 2006)

Diesen Sommer 2006 flogen wir als das Jugendteam der Indienhilfe nach Kalkutta, um dort an einem Workshop gegen Kinderarbeit teilzunehmen. Vor dem zweitägigen Workshop hatten wir uns bereits mit dem Thema auseinandergesetzt: einerseits durch Projektbesuche in Indien und andererseits durch die nie versiegende Quelle an eng bedruckten Informationsblättern.

Doch die eigentliche Herausforderung stand uns noch bevor: die Kulturunterschiede überwindende Zusammenarbeit mit gleichaltrigen indischen Schülern. Am Anfang herrschte Schweigen. Nach den üblichen Fragen nach Name, Klasse, Fächern und Hobbies verlor sich das Gespräch wieder in der Stille, was vielleicht auch daran lag, dass wir nur in Englisch kommunizieren konnten. Wir konnten uns zwar alle recht gut ausdrücken, aber die jeweilige Muttersprache zieht man dann irgendwie doch vor.

Zum Glück hatten wir ja ein Thema, Kinderarbeit, und für den Anfang einen Arbeitsauftrag: die Herausarbeitung der Unterschiede zwischen Kinderarbeit in Indien und Deutschland. Doch wie erklärt man, dass in Deutschland so etwas wie "child labour" gar nicht existiert und daher auch kein Problem darstellt? Dass Kinder und Jugendliche nur wenige Wochenstunden arbeiten, freiwillig, um ihr Taschengeld aufzubessern? Bei uns käme man ja gar nicht auf die Idee, dass ein Sechsjähriger irgend etwas anderes tun könnte als in die erste Klasse zu gehen. In Indien dagegen sammeln viele Kinder in diesem Alter Brennmaterial oder helfen ihren Eltern den ganzen Tag im Haushalt und bei der Feldarbeit, damit sich die Familie ihren täglichen Reis leisten kann. Wir wissen zwar immer noch nicht, ob wir die Situation ausreichend erklären konnten, aber die Diskussion war auf jeden Fall sehr interessant und lebhaft.

Da schließlich geklärt war, dass es in Deutschland in dieser Hinsicht nicht direkt etwas zu bekämpfen gibt, war unsere nächste Aufgabe, gemeinsame Aktionen der Jugend und der NGOs gegen Kinderarbeit in Indien zu planen. Wir sammelten Ideen, was vor Ort und in Herrsching und Umgebung unternommen werden könnte. Bei den meisten Vorschlägen überwogen die idealistischen Vorstellungen zwar die konkret umsetzbaren Ideen, aber nichtsdestotrotz präsentierten wir am nächsten Tag unsere Ergebnisse den erwachsenen Workshopteilnehmern. Die wohl am positivsten aufgenommenen Idee war die eines Theaterstücks über das Leben eines Kinderarbeiters. Möglicherweise ein Mittel, um deutschen Kindern das Thema nahezubringen?

Um das Ganze auch für die Nachwelt zu konservieren, wurden in vier multikulturellen Gruppen Poster zu Themen wie "What students can do against child labour" und ähnlichem erstellt. Auch hier bemerkte man Unterschiede, die wir hauptsächlich auf die Erziehung im Schulsystem zurückführten. Während wir eher auf den Inhalt der Poster achteten, wurden von indischer Seite besonders die äußere Form sowie die unantastbare Meinung der Lehrer und anderer älterer Respektspersonen bedacht. Auch die Poster stellten wir dem restlichen Workshop noch einmal vor. Dabei bemerkten wir, dass wir von den Zuhörern, die teilweise einen eher ermüdeten Eindruck machten, genausoviel beachtet wurden wie jeder andere Vortragende.

So gingen die Workshoptage zu Ende, die zwar anstrengend waren, uns aber durch den engen Kontakt mit Gleichaltrigen einen sehr interessanten Einblick in diese fremde Kultur lieferten, der derart "live" beeindruckender war als jede Erzählung aus zweiter Hand.

Wir hoffen, dass auch die anderen etwas mitgenommen haben und dass ein solcher Austausch in Zukunft öfter ermöglicht wird.

Franzi, Alice, Milan
Flug Dubai – München, 21.8.06