Warum Indien?

Santal-Frau im Midnapur-Distrikt, die während der heißen Sommermonate, wenn es wenig Feldarbeit gibt, ihre Holzvorräte ergänzt. Härteste körperliche Arbeit bestimmt weiterhin den Alltag dieser Menschen. Doch ihre Welt verändert sich: Sie berichtet, dass alle ihre Kinder einen Schulabschluss und z.T. schon Arbeit in der Stadt gefunden haben.

Liebe Spender und Spenderinnen, liebe Freunde und Freundinnen,

„Effektiver Altruismus“ (EA) ist eine zum Diskutieren anregende, weltweite, sozial-philosophische, strikt rationale Bewegung. Sie bewertet Handeln danach, wie effektiv es das Wohlergehen aller empfindungsfähigen Lebewesen (Menschen und Tiere) heute und in der Zukunft fördert. Die Richtigkeit von Handlungen wird nach Kosten-Nutzen-Rechnung bewertet[1]. Nicht Herz und Gefühl, sondern Hirn und Empirie sollen beim Engagement für eine bessere Welt leiten. Spenden sollen maximal wirksam für eine maximale Zahl an Lebewesen sein. Der Einzelne soll gut verdienen, um mehr spenden zu können. Liest man im Internet (s. Fußnote) nach, wird die eindimensionale Vereinfachung der Wirkungszusammenhänge (nämlich der Frage nach den Ursachen von Armut und Leid), deutlich. Der Zusammenhang zwischen Leid und Not und dem Lebensstil der Wohlhabenden, der Politik der Konzerne, Banken, Staaten spielt kaum eine Rolle. Stattdessen werden Spenden für den Aufbau der EA-Bewegung und ihrer eigenen Forschungsinstitute gesammelt. Ein Beispiel für die vom EA behauptete Ineffizienz der Entwicklungsorganisationen ist die Schulbildung. Die EA-Organisation GiveWell empfiehlt als kosteneffektivste Methode für bessere Bildung Spenden an Organisationen, die Wurmbefall bei Kindern bekämpfen (wodurch sich krankheitsbedingte Fehlzeiten verringern), für Reduzierung der Kindersterblichkeit Spenden an Organisa­tionen, die mit Insektiziden behandelte Moskitonetze verteilen. (Lesenswert: Christoph Gurk in SZ, 2./3.12.17, „Sehr geschäftig“, SZ, 4.12.17: „Besser-Wisser“)

 Aber die Realität ist komplex, alles hängt mit allem zusammen. Deshalb werden die Details in Indienhilfe-Projekten, die alle das Wohl der Kinder von 0 bis 18 Jahren aus extrem armen Verhältnissen zum Ziel haben, ganzheitlich lokal angepasst. Das kann sein: Unterstützung der kommunalen Mutter-und-Kind-Zentren bei der gesundheitlichen Betreuung von Schwangeren und stil­lenden Müttern und bei der Ausgabe nahrhafter Mahlzeiten an Kleinkinder. Schulung von Frauen und Schulkindern im Anlegen von Küchengärten. Anleiten von Müttern bei der Herstellung von Nutrimix, einem preiswerten kalorien- und proteinreichen Zusatz­nah­rungsmittel für unterernährte Kinder. Denn Unterernährung schädigt das kindliche Gehirn irreversibel. Förderung von Frauen-Selbst­hilfe-Gruppen, die wirtschaftlich aktiv werden und das Familieneinkommen steigern. Sensibilisierung der Bevölkerung für Frauen-, Kinder- und allgemeine Menschenrechte, um z.B. Gewalt in den Familien sowie Kinderarbeit zu bekämpfen und die Pflicht zum Schulbesuch bis mindestens zur 8. Klasse für alle Kinder durchzusetzen. Schulungsmaßnahmen für die selbst schlecht ausgebil­deten Nachhilfe- und Schullehrer_innen in abgelegensten Gebieten, damit sie den Kindern effektiv etwas beibringen können. Informa­tion über Fördermaßnahmen der Regierung - z.B. Zuschüsse für Klinikgeburten, Hilfen für behinderte Kinder, Zuschüsse für den Bau von Toiletten. Und vieles mehr. Die direkte Wirkung unserer Arbeit lassen wir von indischen Expert_innen-Teams nachprüfen, um stetig dazuzulernen. Langfristige Wirkungen lassen sich jedoch nicht durch NGOs evaluieren dazu bräuchte es universitäre For­schung. Ursachenbekämpfung betreiben wir auch hier bei uns an Schulen und öffentlich durch Aufklärung über globale Zusammenhänge, durch Fairen Handel, durch Beteiligung an Kampagnen für einen weltweit verträglichen Lebensstil und das für die Rahmenbedingun­gen notwendige politische Handeln.

 Neben rationalem Handeln glauben wir: an die menschliche Fähigkeit zur Empathie und die Freude daran, selbstwirksam zu sein und anderen helfen zu können; an erfahrungsbasierte Intuition, Kreativität, Freundschaft, Begegnung. Tagtäglich erle­ben wir, dass unser Einsatz Sinn macht, erfolgreich ist, und das gibt uns Befriedigung, Kraft und Freude. Mit Ihren Spenden bestimmen Sie mit, wieviel wir tun können. Nur gemeinsam können wir etwas verändern, bewegen, erreichen, gestalten!


[1] Seite der deutschen Organisation des „Effective Altruism“: https://effektiveraltruismus.de/; Weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Effektiver_Altruismus; SZ-Magazin 29.12.2015, Gutes Tun besser machen: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44049/3/1; Spiegel 32/2015 „Geht hin und tut Gutes“ - Gespräch mit Peter Singer: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/137878727


Liebe Spender und Spenderinnen, liebe Freunde und Freundinnen,

Indien als aufstrebende Wirtschaftsmacht, indische Firmen, die als Investoren in Europa auftreten, Bangalore als neues "Silicon Valley" - das Indienbild in den Medien hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Nur noch selten ist von Hunger und Armut die Rede, allenfalls wird über die regelmäßigen verheerenden Naturkatastrophen berichtet.

Die Medienberichte sind nicht falsch, aber sie geben nur einen kleinen Teil der indischen Wirklichkeit wieder. Und sie bewirken, dass immer mehr hilfsbereite Menschen in Deutschland bezweifeln, ob eine Spende für Indien überhaupt noch sinnvoll ist. Auch an uns wird diese Frage immer öfter gerichtet.

In vielen Gesprächen versuchen wir deutlich zu machen, dass die indische Mittelschicht (in Bezug auf Einkommen und Kaufkraft mit der deutschen Mittelschicht nicht zu vergleichen), die von der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung profitiert, mit ca. 170 Mio. Menschen nur etwa 15 % der Gesamtbevölkerung von 1,2 Milliarden ausmacht. Dagegen leben immer noch 34 % der Inder von weniger als 1 US $ pro Tag. Das sind knapp 400 Mio. Menschen, die zu den absolut  Armen zählen!

Die derzeitigen jährlichen Wachstumsraten der indischen Wirtschaft von 8 bis 9 % relativieren sich, wenn man die niedrige Ausgangsbasis berücksichtigt - das indische Bruttoinlandsprodukt (BIP) umfasst nur 1/3 des deutschen, bei einer fast dreizehnmal so großen Bevölkerung.

Noch immer sind 750 Mio. Inder nicht mit Sanitäreinrichtungen versorgt, 160 Mio. haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 175 Mio. Kinder sind unterernährt. Besonders die unteren Kasten und die Adivasi (Stammesbevölkerung) haben aufgrund mangelnder Bildung und der schlechten Infrastruktur in ihrem Lebensraum wenig Zugang zum Wirtschafts- und Arbeitsmarkt.

Die indische Regierung setzt enorme Mittel ein, um die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung zu verbessern: durch Infrastrukturmaßnahmen wie Bau und Unterhalt von Schulen, Entwicklung der Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und Bau von Sanitäranlagen sowie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Menschen unter der Armutsgrenze u.v.m. Doch der enorme Bedarf übersteigt derzeit noch bei weitem die Kapazitäten eines sich entwickelnden Landes. Die Regierung ist auf die Zusammenarbeit mit Nichtregierungs-Organisationen (NROs) angewiesen, die die bereitgestellten Gelder abrufen helfen und in die richtigen Kanäle zu den Bedürftigen bringen. Genau diese NROs sind auch die Partner der Indienhilfe.

Mit Ihrer Spende können wir Hand in Hand arbeiten, um die Armut in Indien weiter zu bekämpfen!

Zahlen aus: UNICEF - Zur Situation der Kinder in der Welt 2008. Frankfurt/M 2008

Werden auch Sie in Ihrem Bekanntenkreis gelegentlich gefragt, warum Sie sich noch für Indien engagieren? Hier finden Sie ein Streitgespräch zu diesem Thema mit überzeugenden Argumenten!