Warum Indien?

Santal-Frau im Midnapur-Distrikt, die während der heißen Sommermonate, wenn es wenig Feldarbeit gibt, ihre Holzvorräte ergänzt. Härteste körperliche Arbeit bestimmt weiterhin den Alltag dieser Menschen. Doch ihre Welt verändert sich: Sie berichtet, dass alle ihre Kinder einen Schulabschluss und z.T. schon Arbeit in der Stadt gefunden haben.

Indien als aufstrebende Wirtschaftsmacht, indische Firmen, die als Investoren in Europa auftreten, Bangalore als neues "Silicon Valley" - das Indienbild in den Medien hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt. Nur noch selten ist von Hunger und Armut die Rede, allenfalls wird über die regelmäßigen verheerenden Naturkatastrophen berichtet.

Die Medienberichte sind nicht falsch, aber sie geben nur einen kleinen Teil der indischen Wirklichkeit wieder. Und sie bewirken, dass immer mehr hilfsbereite Menschen in Deutschland bezweifeln, ob eine Spende für Indien überhaupt noch sinnvoll ist. Auch an uns wird diese Frage immer öfter gerichtet.

In vielen Gesprächen versuchen wir deutlich zu machen, dass die indische Mittelschicht (in Bezug auf Einkommen und Kaufkraft mit der deutschen Mittelschicht nicht zu vergleichen), die von der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung profitiert, mit ca. 170 Mio. Menschen nur etwa 15 % der Gesamtbevölkerung von 1,2 Milliarden ausmacht. Dagegen leben immer noch 34 % der Inder von weniger als 1 US $ pro Tag. Das sind knapp 400 Mio. Menschen, die zu den absolut  Armen zählen!

Die derzeitigen jährlichen Wachstumsraten der indischen Wirtschaft von 8 bis 9 % relativieren sich, wenn man die niedrige Ausgangsbasis berücksichtigt - das indische Bruttoinlandsprodukt (BIP) umfasst nur 1/3 des deutschen, bei einer fast dreizehnmal so großen Bevölkerung.

Noch immer sind 750 Mio. Inder nicht mit Sanitäreinrichtungen versorgt, 160 Mio. haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 175 Mio. Kinder sind unterernährt. Besonders die unteren Kasten und die Adivasi (Stammesbevölkerung) haben aufgrund mangelnder Bildung und der schlechten Infrastruktur in ihrem Lebensraum wenig Zugang zum Wirtschafts- und Arbeitsmarkt.

Die indische Regierung setzt enorme Mittel ein, um die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung zu verbessern: durch Infrastrukturmaßnahmen wie Bau und Unterhalt von Schulen, Entwicklung der Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und Bau von Sanitäranlagen sowie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Menschen unter der Armutsgrenze u.v.m. Doch der enorme Bedarf übersteigt derzeit noch bei weitem die Kapazitäten eines sich entwickelnden Landes. Die Regierung ist auf die Zusammenarbeit mit Nichtregierungs-Organisationen (NROs) angewiesen, die die bereitgestellten Gelder abrufen helfen und in die richtigen Kanäle zu den Bedürftigen bringen. Genau diese NROs sind auch die Partner der Indienhilfe.

Mit Ihrer Spende können wir Hand in Hand arbeiten, um die Armut in Indien weiter zu bekämpfen!

Zahlen aus: UNICEF - Zur Situation der Kinder in der Welt 2008. Frankfurt/M 2008

Werden auch Sie in Ihrem Bekanntenkreis gelegentlich gefragt, warum Sie sich noch für Indien engagieren? Hier finden Sie ein Streitgespräch zu diesem Thema mit überzeugenden Argumenten!