Große Kundgebung zum 2. White Band Day

am 10.September 2005 in Herrsching

   
   
   
   
   
   
   

Samstag, 10. September 2005, 14:30 Uhr

 Die Menschenkette steht

1 km lang - 210 Menschen

Die mitgebrachten Wecker, Rasseln und Trommeln ertönen, um die Poliktiker um Kampf gegen die Armut aufzuwecke!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um 15:00 Uhr beginnt das Programm auf der Bühne:

Inhaltliche Beiträge von Vertretern verschiedener Organisationen (Brot für die Welt, Entschuldungs-Kampagne, Global Marshall Plan, Indienhilfe e.V., Misereor, Missio, Oikocredit, Referat Weltkirche Augsburg) zu entwicklungspolitischen Themen und musikalische Beiträge (Hats on, Mariposa, Private Paula) sowie eine Salsa-Show-Einlage sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Im Kaminzimmer des Kurparkschlösschens informieren Eine-Welt- und Menschenrechtsgruppen über ihre Arbeit und bieten Gelegenheit zu ausführlichen Gesprächen und Diskussionen.

 

1. White Band Day am 2. Juli 2005 - Weltweite Aktion gegen Armut

Die Herrschinger Delegation für Edinburgh

Während in Berlin und einigen anderen deutschen sowie zahlreichen internationalen Großstädten die Live8 Konzerte stattfanden, die Bob Geldof initiiert hatte, trafen sich am 2. Juli 2005 Herrschinger Bürger und Bürgerinnen, vor allem Jugendliche, in den Räumen der Indienhilfe,  die so etwas wie ein "Live8-Konzert", eine Großkundgebung, am zweiten weltweiten White Band Day, dem 10. September 2005 in Herrsching veranstalten wollen.

Gleichzeitig wurden 5 Herrschinger Jugendliche (alle derzeitige oder ehemalige Schüler des Christoph Probst Gymnasiums) verabschiedet, die mit drei Begleitpersonen zum großen Abschlußkonzert im Murrayfield Stadion in Edinburgh fliegen (ihre Plätze wurden von Air Berlin gesponsert), wo Bob Geldof und viele andere berühmte Musiker unmittelbar vor dem G8-Gipfel auftreten.

Interessiert, bei der Vorbereitung für die Veranstaltung am 10. September mitzumachen? Bitte meldet Euch! email

Weitere Informationen: www.weltweite-aktion-gegen-armut.de

„Wenigstens irgendwas“  - Indienhilfe demonstriert gegen die Armut

Bericht im Starnberger Merkur vom 9.7.2005 von Viktoria Strachwitz

Fürs Sightseeing blieb kaum Zeit: Die Herrschinger vor der Burg

„Deine Stimme gegen Armut“

In einer Millenniumserklärung haben 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in New York acht Ziele definiert, um extreme Armut wirkungsvoll zu bekämpfen. Seit September 2000 versuchen alle Mitgliedsstaaten, die Ziele zu erreichen. Entwicklungsländer richten ihre Politik auf die Bekämpfung von Armut aus, Industriestaaten schaffen die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen dafür. Bis 2015 sollen die Vorgaben erreicht werden. Das ist die Theorie. Wie die Praxis ausschaut, soll im September bei einem UN-Gipfel in New York geklärt werden. Bisher sieht es nicht gut aus. Der brasilianische Staatspräsident Lula da Silva rief deshalb im Januar im Stadion von Porto Alegre vor 15 000 Menschen eine internationale Kampagne mit dem Titel „Global Call to Action Against Poverty“ aus. 72 Länder beteiligen sich daran. In Deutschland heißt die Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“. Symbol der weltweiten Aktion ist ein weißes Band. Es steht für Forderungen nach mehr und besserer Entwicklungszusammenarbeit, einem gerechten Welthandel und einer umfassenden Entschuldung der armen Länder. Konzerte wie „Live 8“ von Bob Geldof sollen die Öffentlichkeit sensibilisieren und die Staatschefs zum Handeln bewegen. Teil der Kampagne sind zwei „White Band Days“ für die breite Öffentlichkeit, einen vorigen Samstag im Vorfeld des G 8-Treffens und einen vor dem UN-Gipfel im September.

Direkter Kontakt: Sabine Dlugosch, Jugendleiterin der Indienhilfe, im Gespräch mit einer Inderin

Herrsching/Edinburgh –

Sie wissen, was Armut ist. Die Jugendlichen haben auf ihren Reisen nach Indien und in andere Entwicklungsländer viel gesehen. Gegen die Armut zu kämpfen, ist für sie ein lohnenswertes Ziel. Doch deshalb bis nach Schottland fahren, nur um sich bei den Regierungschefs des G 8-Gipfels bemerkbar zu machen? Die Erwartung auf ein einmaliges Konzert und kostenlose, von Privatleuten gesponserte Flüge machten die Entscheidung leicht. „Ich war neugierig, ich habe so eine Großveranstaltung noch nie mitgemacht“, gibt der 23-jährige Benedikt Hohlfeld aus Herrsching zu. „Als ich das Angebot bekommen habe, war ich erstmal auf das Konzert fixiert. Dann habe ich mich über die Hintergründe informiert und fand es eine tolle Aktion, für die es lohnt, sich einzusetzen“, meint der 17-jährige Herrschinger Milan Flach. Mittwoch, 6.45 Uhr. Die Herrschinger Gruppe macht sich vom Münchner Flughafen aus auf den Weg nach Schottland. Am Flugplatz in Edinburgh packen die Herrschinger als Erstes ihre weißen T-Shirts aus. Wer an der „Weltweiten Aktion gegen Armut“ teilnehmen will, sollte entsprechend gekleidet sein. Während sich die Herrschinger in der Ankunftshalle des Flughafens Edingburgh umziehen, nimmt sich ein paar Meter weiter das Gefolge der G 8-Regierungschefs seine Golftaschen vom Gepäckband – der Gipfel findet in einem Golf-Hotel statt. Den Herrschingern ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass dies der einzige Berührungspunkt mit dem Gipfel sein würde.

12.15 Uhr. Michi von der Organisation Oxfam nimmt die Delegation vom Ammersee in Empfang. Eine Partnerorganisation des Verbands entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (VENRO) in Deutschland, bei dem auch die Indienhilfe Mitglied ist, hat die Organisation in Edinburgh Oxfam überlassen. Michi ist ein Asiate aus Österreich. Er trägt eine große Schachtel unterm Arm und verteilt Aktionsmappen. In den Mappen sind weiße Armbänder aus Silikon. Das Handbuch „How you can help to defeat world poverty in seven steps“ (Wie man die Weltarmut in sieben Schritten besiegt) wandert unbesehen in die Rucksäcke. Die Herrschinger wollen demonstrieren, also geht es mit dem Taxi in die Stadt. Nach einem kurzen Besuch im Hauptquartier von Oxfam in einem Nebenraum der Kirche von St. John soll’s endlich losgehen. 14 Uhr. Die Demonstration auf der Hauptstraße neben St. John scheint laut und aufregend. Jugendleiterin Sabine Dlugosch ist um ihre Schützlinge besorgt. Die Demo ist gerade einmal 200 Meter lang und völlig friedlich – die militanten Demonstranten scheinen sich voll auf die Staatschefs in Gleneagles zu konzentrieren. Am Anfang und am Ende des Zuges stehen freundliche Polizisten mit altmodischen Bobby-Hüten. Jedesmal, wenn einer der Demonstranten grölt, springen am vorderen Ende des Kurzzugs 20 Fotografen hoch, um ihr Blitzgewitter abzulassen. Ob diese Demonstration der Armut Abhilfe schaffen wird? Die Teilnehmer wirken lustlos, ohne große Emotionen halten sie ihre Schilder hoch. Einige Demonstranten rufen nach Gerechtigkeit. Weiße T-Shirts hat keiner an. Vielleicht liegt es am Regen. Nach einigem Zögern packt die Indienhilfe ihr Banner aus. Als es sich nach ein paar Schritten als unpraktisch beim Gehen erweist, verschwindet es wieder in Sabine Dlugoschs Rucksack. Für die Demo hat sich die Reise wohl nicht gelohnt, aber das Programm hat ja noch mehr zu bieten.

15 Uhr. In St. John gibt es eine Podiumsdiskussion über Entwicklungshilfe. Die Kirche ist gut besucht, aber nicht voll. Vielleicht ist es diesmal die Kälte, die die Menschen davon abhält, den Vertretern aus den ärmsten Ländern der Welt ein offenes Ohr zu widmen. Eine Dame aus Kenia appelliert an die G 8-Regierungschefs, „Millionen von Leben zu retten“. Aufgrund von Armut stirbt alle drei Sekunden ein Mensch auf dieser Welt. Beim Konzert am Abend schnippen die Menschen im Stadion mehrere Minuten lang alle drei Sekunden mit den Fingern. Eine ergreifende Demonstration: Da bekommen Zahlen ein Gesicht. Wie hatte die Kenianerin in St. John betont? „Wir sprechen nicht von Statistiken, das ist unser Leben!“

16 Uhr. Die Millenniumsziele der Vereinten Nationen vom September 2000 können nur durch die Zusammenarbeit von Entwicklungs- und Industrieländern erreicht werden. Daran erinnert der Moderator in der Kirche und fordert die Anwesenden auf, andere im Saal anzusprechen, möglichst welche, die ganz anders aussehen als man selbst. Benedikt Hohlfeld trifft den ersten Armenier seines Lebens. Dabei hat er seine Facharbeit über Armenien geschrieben. Der erste Kontakt ist fruchtbar: „Falls ich hin will, kann ich ihn anrufen, er hat mir seine Karte gegeben“, freut sich der Student. Sabine Dlugosch unterhält sich m

it einer Inderin über ihre Arbeit. Die Frau ist in Washington bei „Brot für die Welt“. „Es ist eine tolle Stimmung hier, das ist echt super“, schwärmt Dlugosch. Nur wenige Weiße sitzen in der Kirche. Afrika dominiert, vielleicht auch durch die traditionellen bunten Kleider. Auffallend sind die weißen Armbänder der Afrikaner, die nicht aus Silikon bestehen, sondern liebevoll geflochten und mit kleinen Perlen besetzt sind. Die Bänder aus den anderen Ländern, oft auch mit Schriftzügen anderer Sprachen, werden ausgetauscht. Sie sind der Renner unter den jungen Leuten: Manchen Unterarm zieren bis zu sieben Stück.

Ein Treffen voller Symbolik: Die Indienhilfe-Gruppe aus Herrsching mit ihrem Transparent vor einem Bild zum Motto „Macht die Armut zur Vergangenheit“ Fotos: Strachwitz

17 Uhr. Mit Bussen geht es zum Konzert. Das Murrayfield- Stadion ist voll. 50 000 Karten wurden kostenlos verteilt. Die meisten Zuschauer kommen offenbar aus der näheren Umgebung. Während des fünfstündigen Konzerts singt das Publikum dreimal die schottische Hymne. Tausende schottischer Flaggen wehen im Wind, bis ein Schauer sie unter die Regenschirme zwingt. Alle fünf Minuten steht ein neuer Künstler auf der Bühne. Auch afrikanische Musiker wie Youssou N’Dour wurden eingeladen. Annie Lennox leistet mit Bob Marleys „Redemption Song“ einen Beitrag zum Austausch mit Afrika. „Wet, Wet, Wet“, „Snow Patrol“, „Texas“, „Travis“, Ronan Keating, die „Sugarbabes“ und viele andere Stars bringen das Stadion zum Beben. Die Krönung ist ein Auftritt des schwarzen Soul-Sängers James Brown. Das Publikum ist nicht mehr zu bändigen – verhält sich aber durchweg friedlich. Bob Geldof und Bono von U2, die Organisatoren der Veranstaltung, berichten von ihrem Treffen mit George Bush am Nachmittag. Herbert Grönemeyer, Claudia Schiffer und Campino von den „Toten Hosen“, die Schauspieler George Clooney und Susan Sarandon nutzen die Bühne, um Worte an ihre Regierungschefs zu richten. Der ehemalige Präsident Südafrikas und Friedensnobelpreisträger, Nelson Mandela, schickt eine Videobotschaft. Minutenlang spricht er in ruhigem Ton und fordert Gerechtigkeit statt Wohltaten. Seine Worte wirken: 50 000 Konzertbesucher verstummen in Ehrfurcht. „Die Stimmung im Stadion war supergenial“, darin sind sich die sieben der Indienhilfe im Nachhinein einig.

Donnerstag, 8.30 Uhr. Nach einer Nacht auf dem Küchenboden in einem Studentenwohnheim zieht die Delegation vom Ammersee Bilanz. Das Konzert war für alle Beteiligten sicherlich der Höhepunkt. Aber hat die Reise auch etwas genutzt? Die Herrschinger verstummen zunächst. Sabine Dlugosch findet, „die beim G 8-Gipfel müssen das irgendwie zur Kenntnis nehmen, es war auf alle Fälle wichtig, ein Zeichen zu setzen“. Beeindruckt ist sie von den „lockeren Menschen aus aller Welt, die alle für das Gleiche kämpfen“. Benedikt Hohlfeld ist enttäuscht von der Demo, aber „es ist wenigstens irgendwas, das getan wird und bei dem einem das Mitmachen einfach gemacht wird“. „Weil die Demo so klein war, werden sicher viele sagen, dass alle nur zum Konzert wollten“, befürchtet Milan Flach. Den armen Ländern nur Geld zu geben, sei verkehrt: „Wenn die Staatengemeinschaft hilft, bewirkt man langfristig etwas, das sich mit der Zeit auch selbst tragen wird, mit Spenden werden sie immer Hilfe brauchen.“

STICHWORT Indienhilfe

Die Jugendgruppe der Herrschinger Indienhilfe, die durch ihre Anwesenheit in Edinburgh ein Zeichen im weltweiten Kampf gegen die Armut setzen wollte, besteht aus Schülern und Ehemaligen des Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasiums. Mit ihrer „Indiengruppe Vikas“ haben die 15- bis 23-Jährigen erst vor kurzem den zweiten Platz beim Jugendsozialpreis des Lions Club Starnberg gemacht. Auf Bengali, der Sprache der Inder, heißt Vikas Entwicklung. Die Mitglieder der Gruppe bringen ihren Mitschülern und Lehrkräften das Thema Indien und Entwicklungshilfe nahe und sammeln durch Kuchenverkäufe Geld für Schulprojekte in Indien. Im vorigen Schuljahr brachten sie mehrere tausend Euro für den Neubau von zwölf Klassenzimmern an der Boys High School in Chatra in Indien zusammen. „In die Indiengruppe geht man, wenn man sich sozial engagieren will“, sagt die 15-jährige Franziska Walter. Sie war die jüngste Schottland-Reisende. Die Indienhilfe will in Deutschland mittels Bildungsarbeit, fairem Handel, Schulpartnerschaften, Jugendarbeit und Dialog Sensibilität, Interesse und Verständnis für Mitmenschen aus und in anderen Ländern verstärken. In Indien verfolgt der Verein die Armutsbekämpfung durch Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Frauen und Kinder und Landwirtschaft sowie für die Advasi (Ureinwohner Indiens). Seit 2004 hat der Verein ein Büro in Kalkutta, um Partnerorganisationen bei der Planung und Durchführung der Projekte zu beraten und zu begleiten. Schwerpunktgebiete sind die Bundesstaaten West- Bengalen und Orissa. Die Indienhilfe hat sich nicht nur an der „Weltweiten Aktion gegen Armut“ am Mittwoch in Edinburgh beteiligt, sondern will auch im September kräftig mitmischen. Am 10. September, dem zweiten „White Band Day“, plant der Verein einen Aktionstag in seiner Heimatgemeinde. In Herrsching sollen Bands auftreten, ein weißes Banner entlang der laut Indienhilfe längsten Uferpromenade Deutschlands und viele weitere Aktionen sind in Planung. Wer sich mit Projekten beteiligen will, meldet sich bei Elisabeth Kreuz, Vorsitzende der Indienhilfe, unter (0 81 52) 12 31 oder email@indienhilfe-herrsching.de.