Indienhilfe plant 193.000 € für Kinderrechte, Bildung, Landwirtschaft, Integration & Inklusion

Am 20. März 2026 versammelten sich neun Mitglieder von Arbeitsausschuss und Vorstand der Indienhilfe in der Welthaus-Bibliothek zur bedeutsamsten Sitzung des Jahres: das Gremium diskutierte und beschloss die zu unterstützenden Sozial-Projekte in Indien für das Finanzjahr April 2026 bis März 2027.  Projektreferentin Dr. Corinna Wallrapp war wenige Tage davor mit viel Glück, mehrtägiger Verspätung und einer Umbuchung von Emirates auf Lufthansa vom jährlichen Projektbesuch vor Ort zurückgekehrt. Doch auch aus der Ferne hatte sie dank Internet die wichtigsten Entscheidungsvorlagen vorab zirkulieren können.

Es ist jedes Jahr ein Balance-Akt, Projektausgaben und Spendeneinnahmen realistisch einzuschätzen. Auch bei der Indienhilfe wie bei vielen in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen Organisationen macht sich seit einigen Jahren ein Nachlassen von Spenden bemerkbar. Kompensiert wurde ein weiteres Absinken im letzten Jahr durch eine Reihe großer und sehr großer - aber meist einmaliger - Einzelspenden (25.000 € die größte) sowie den Ausbau von anteiligen Projektförderungen durch mehrere Stiftungen und Vereine, dank der professionellen Projektplanung und -begleitung von Dr. Wallrapp im Verbund mit unseren indischen Kolleginnen. Die schrittweise Beendigung bzw. Übergabe von Projekten bei drei Partnerorganisationen, die am ehesten auf andere Finanzierungsquellen zurückgreifen konnten, eröffnete trotz der angespannten Lage Spielräume für die Fortentwicklung alter und Planung neuer Aktivitäten mit alten und neuen Partnern. Die von Dr. Wallrapp vorgestellten fünf Sozialprojekte wurden mit einem maximal eng geplanten Gesamtbudget von knapp 200.000 Euro bewilligt. Bei steigenden Einnahmen ließe sich entsprechend mehr an Maßnahmen für mehr Kinder und ihre Familien umsetzen.

Der vor ca. 13 Jahren von der Indienhilfe angestoßene Kolkata Trust for Human Development führt 2026/27 drei Projekte in Zusammenarbeit mit der Indienhilfe durch, alle im North-24-Parganas-Distrikt im Gangesschwemmland nahe den Mangrovenwäldern der Sunderbans. Das im letzten Jahr mit Förderung durch die Schöck-Familien-Stiftung begonnene Bildungsprojekt für Kinder saisonaler Wanderarbeiterfamilien in lokalen Ziegeleien findet überwältigenden Zuspruch.In den fünf Bildungszentren und den zwei offenen Gemeindezentren werden mittlerweile anstatt der geplanten 350 Kinder mehr als 450 betreut. Die Gemeindeverwaltung stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und hilft, wo sie kann. Für das aktuelle Jahr sind zusätzlich einkommenschaffende Maßnahmen mit den Eltern geplant, damit diese ihre Lebensgrundlage sichern und unabhängiger von der Tagelöhnerarbeit werden können. Auch Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist ein wichtiges Ziel.

In einem Elendsquartier in der gleichen Region startet der Kolkata Trust ein Projekt zur Förderung frühkindlicher Entwicklung für bis zu 70 Kinder im Alter von 2 bis 7 Jahren, die in zwei Kinderzentren auf die Einschulung vorbereitet werden sollen. Die Zentren bieten neben der Bildungsförderung für die Kinder auch Raum für freies und sicheres Spielen und sind Anlauf- und Beratungsstelle für die Eltern, die bei regelmäßigen Treffen zu Themen wie kindliche Entwicklung, gesunde Ernährung, Hygiene, die Bedeutung des Schulbesuchs informiert und bei der Beantragung staatlicher Hilfen unterstützt werden. Dank einer Teilförderung durch die Dr. Birk Foundation kann dieses Projekt neu in Angriff genommen werden.

Projektplanung in Chatra
Projektplanung mit Bauern in Herrschings Partnergemeinde Chatra

Die Trinkwasseranlage in Chatra wird mittlerweile weitgehend von einem lokalen Wasser-Komitee betrieben. In diesem Jahr wird in Herrschings Partnergemeinde neu ein Pilotprojekt zur Förderung von ökologischer und klimawandelangepasster Landwirtschaft in Angriff genommen. Dreißig  Bauernfamilien werden in den neuen Anbaumethoden geschult und unterstützt, um einerseits die Versorgung und das Einkommen der Familien unter sich schnell verändernden Umweltbedingungen zu sichern und andererseits langfristig die pestizidfreie Qualität des Trinkwassers in Chatra zu gewährleisten. In den seit Jahren laufenden drei Lernzentren werden weiterhin 90 Kinder auf den Schulbesuch vorbereitet und mit Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung begleitet, um den vorzeitigen Schulabbruch zu verhindern. Partnerschaftliche Aktivitäten zur Leseförderung in Herrsching und in Chatra stehen ebenfalls auf der Agenda. Projektmitarbeiter Sarthak Roy wird ab Ende Juni für knapp drei Wochen in Herrsching sein, dank staatlicher Förderung der Flugkosten, um die Zusammenarbeit mit den Schulen in Herrsching und im Landkreis auszubauen.

Integration von Kinder mit Behinderungen bei Sanchar
Projektpartner Sanchar: Integration von Kindern mit Behinderung - inzwischen trainierten sie alle anderen Projektpartner

Mit dem langjährigen Partner Sanchar werden die Maßnahmen zur Inklusion von Kindern mit Behinderung fortgeführt, mittlerweile in acht Gemeinden (Gram Panchayats) im Howrah Distrikt, d.h. Kinder mit Behinderungen identifiziert und individuelle Förderpläne ausgearbeitet, um ihnen die Teilhabe an Bildung und Gesellschaft zu ermöglichen. Wichtiges Ziel: den Kindern trotz ihrer körperlichen oder geistigen Einschränkungen ein möglichst selbständiges Leben zu ermöglichen bzw. ihre Angehörigen in der Pflege so zu schulen, dass die Betreuung durch die ProjektmitarbeiterInnen schrittweise reduziert werden und die Familien die Betreuung eigenständig übernehmen können. Im Rahmen der vom Deutschen Katholischen Blindenwerk e.V. geförderten Arbeit mit Kindern mit Sehbehinderungen ist für dieses Jahr eine Kampagne an Schulen geplant, um das Bewusstsein für Augenerkrankungen und Fehlsichtigkeit zu stärken. Jugendliche mit eingeschränkter Sehfähigkeit sollen bei einer beruflichen Ausbildung unterstützt werden, damit sie ihren Lebensunterhalt selbständig bestreiten können.

Als neuer Projektpartner wurde in diesem Jahr die Youthinvest Foundation ausgewählt, mit der ein neues Projekt zur Förderung von Adivasi-Kindern (insb. Lodhas/Sabars als den bis heute Benachteiligsten) entwickelt werden soll. Seit Beginn setzt sich die Indienhilfe für die Adivasi bzw. S.T. = Scheduled Tribes, Indiens indigene Bevölkerung, ein, die oft in abgelegenen Waldgebieten in extremster Armut leben. Ihre besondere Kultur, ihre innige Verbundenheit mit der Natur kann für uns Anregung und Vorbild sein.

Insgesamt hat der Arbeitsausschuss für das indische Finanzjahr 2026-27 ein Gesamtbudget von knapp 193.000 Euro für die fünf Projekte in Westbengalen verabschiedet, wie immer unter dem Vorbehalt, dass die finanziellen Mittel ausreichen. Daher ist die Indienhilfe weiterhin dringend auf Spenden angewiesen, um Kindern aus extremen Armutsverhältnissen bessere Lebensperspektiven eröffnen zu können. Indem alle Projektpartner die Familien bei der Beantragung der ihnen zustehenden Förderprogramme der indischen Regierung unterstützen, vervielfacht sich jede Spende durch innerindische Mittel!

Übersicht über die aktuell geförderten Projekte 

Spendenkonto: Indienhilfe e.V. - Projekte Indien, IBAN: DE29 7025 0150 0430 3776 63 - Anschrift angeben!